#Bibelübersetzung

Ben und ich haben die Gute Nachricht Bibel einem intensiven Test unterzogen

Wenn es Bibel-Übersetzungen wagen die antiquirten Luther-Wendungen über Bord zu werfen freue ich mich. Zusammen mit dem Bibel-Übersetzer Benjamin Misja haben wir hier eine Review der Guten Nachricht Bibel (GNB) gemacht. Und dabei wird sichtbar, dass es der GNB gelingt einige Luther-Phrasen abzustreifen. Hier zwei Beispiele:

Gelungene Abwechslung zu “siehe” und “wahrlich”

Das Wort “ἰδού” (Luther: ‘siehe’) ist ein häufiges Wort. Im ganzen Neuen Testament kommt es 187 Mal vor. Manchmal ist jedoch “siehe” nicht sehr treffend, z. B. in Mk 10,28: “Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt”. Das deutsche Wort “siehe” deutet an, dass etwas mit den Augen wahrnehmbar ist. Die Bedeutung im Griechischen ist jedoch allgemeiner: Es hat die Funktion, die Aufmerksamkeit auf das Folgende zu lenken. Diese Funktion kann man nicht mit dem deutschen “siehe”, sondern nur mit einer sinngemäßen Wiedergabe erreichen

Ebenso häufig ist das “ἀμήν” (Luther: ‘wahrlich’). Aus dem zeitgenössischen Judentum wie aus dem frühen Christentum ist es als liturgische Bekräftigungsformel bekannt. Da wurde es allerdings immer am Ende der fraglichen Aussage benutzt – ähnlich wie wir ja auch heute beim Beten “Amen” sagen. […] Luthers Übersetzung ‘wahrlich’ folgen bis heute die meisten deutschen Übersetzungen. Die Übersetzung der Guten Nachricht: “Ich versichere Euch” ist für den heutigen Leser verständlicher.

Was bedeutet “Reich Gottes”?

Die Begriffe “Reich Gottes” und “Himmelreich” sind nicht einfach zu verstehen. Viele nehmen zu Anfang ihres Bibelstudiums an, dass damit der Himmel als etwas Zukünftiges oder Jenseitiges gemeint ist. Das macht aber an einigen Stellen keinen Sinn wie bei Mk 1,15 “die Zeit ist erfüllt und das Himmelreich ist herbeigekommen”.

Das “Reich Gottes” ist ein ziemlich kompliziertes Konzept, das auch heute noch beforscht wird. Luther, Menge, Schlachter, die Zürcher, Einheitsübersetzung, auch die NGÜ übersetzen diese Wendung stets mit “Reich Gottes”. Die Gute Nachricht nimmt die Herausforderung an, lässt die bisherigen Erkenntnisse einfließen und schält die wahrscheinlichste Bedeutung heraus. Unsre Analyse des Matthäusevangeliums hat ergeben, dass die GNB vier verschiedene Übersetzungen wählt und je nach Kontext einsetzt, wo Luther “Himmelreich” hat. […]

Die meisten Christen wissen, dass Jesus oft vom “Reich Gottes” sprach. Aber was er damit genau meinte, das wissen wir nicht so genau. Die Beispiele in der Tabelle zeigen, dass es der Guten Nachricht gelingt, dem Leser die vermutete Bedeutung zu kommunizieren.

Der ganze Beitrag ist hier erschienen.

«Es ging darum, den ersten kühnen Wurf zu bändigen» - Dr. Rolf Schäfer

Als ich mich mit der Geschichte der Guten Nachricht Bibel befasste, merkte ich bald, dass diese so einzigartig ist, dass nur ein “Insider” die Geschichte richtig aufrollen kann. Und so schrieb ich die Deutsche Bibelgesellschaft an und konnte Dr. Rolf Schäfer für ein Telefoninterview gewinnen.

Das Interview ist nun als Teil 3 auf dem Logos-Blog erschienen. Hier ein Ausschnitt davon:

Wie ging die Revision von 1997 vor sich?

Dr. Rolf Schäfer:
Jeder von uns hat eine bestimmte Portion des Textes durchgearbeitet – anhand des hebräischen und griechischen Textes und der maßgeblichen neuen Kommentare – und alle Stellen notiert, welche exegetisch oder philologisch problematisch schienen. Man hat damals auf Papier gearbeitet: Die linke Hälfte war mit dem Bibeltext bedruckt und in der rechten Hälfte hat man die Notizen gemacht, und hier und da musste man ein oder zwei Beiblätter einfügen, weil es einfach zu viele Anmerkungen gab.

Der ganze Beitrag ist hier erschienen.

Die erste Übersetzung der Guten Nachricht Bibel

Im Teil 2 der vierteiligen Serie über die Gute Nachricht Bibel habe ich über deren Geschichte geschrieben. Der Blogpost war sehr aufwändig, da ich ca. 30 verschiedene Quellen anzapfen musste. Doch das Ergebnis hat sich gelohnt. Ein kleiner Ausschnitt:

[Hans-Ulrich Nübel] beauftragte drei Journalisten (!), die “Good News Bible” aus dem Englischen (!) ins Deutsche zu übersetzen. Die Journalisten kamen aus dem kirchlichen Umfeld, hatten aber recht extravagante Ansichten. Einer glaubte, dass Jesus ein gescheiterter politischer Aufständischer war, und schrieb sogar ein Buch darüber. Eine empfiehlt eine Mischung zwischen Christentum und Humanismus. Wichtiger als eine orthodoxe Lehrmeinung war Nübel, dass sie guten, flüssigen Text schreiben konnten, und das ist ja, was Journalisten von Berufs wegen am besten können.

Der so entstandene Text wurde anschließend von einigen Theologen mit dem griechischen Urtext abgeglichen. Nur anderthalb Jahre nach der “Good News Bible” erschien schließlich die “Gute Nachricht Bibel”.

Man sollte bedenken: Es war das erste Mal, dass im deutschen Sprachraum eine kommunikative Übersetzung auf den Markt kam. Zudem war allen Beteiligten bewusst, dass die gewählte Übersetzungsmethode recht gewagt war. Darum fragte man die Leser in der Einleitung nach Rückmeldungen:

Der ganze Beitrag ist hier erschienen.

Auf dem Logos-Blog schreibe ich gerade eine vierteilige Serie über die Gute Nachricht Bibel.

Teil 1 ist bereits erschienen. Zwei Auszüge:

Ein Viertel der deutschen Erwachsenen (rot) sind sprachlich etwas besser unterwegs, aber immer noch so schlecht, dass sie eine wörtliche Übersetzung nicht verstehen können. Von dieser Gruppe heißt es in der Level One Studie: “Typisch Betroffene vermeiden das Lesen und Schreiben häufig”. Falls solche Christen nur wörtliche Übersetzungen zu Hause stehen haben, dann werden sie diese nicht öffnen, oder wenn, dann nur ungern und ohne großen Gewinn.

[…]

Bei meinen Internet-Recherchen über Bibelübersetzungen stoße ich häufig auf Schimpftiraden über freie Übersetzungen. Diese Leute lassen nur die genauen Übersetzungen wie Elberfelder, Luther usw. stehen, NGÜ wird gerade noch toleriert aber die Gute Nachricht und auch die Hoffnung für Alle werden verschmäht. Was solche Menschen nicht verstehen ist: ohne diese Übersetzungen würde etwa jedem Vierten die Bibel verwehrt.

Der ganze Beitrag ist hier erschienen.

Nach einer längeren Pause nahm ich mir vor, für den deutschen Logos-Blog über die Menge-Bibel zu schreiben. Nach anfänglicher Skepsis fand ich Menges Biographie und die sprachlichen Eigenschaften der Menge-Bibel so spannend, dass daraus 3 Beiträge entstanden. Folgend die Zusammenfassung und ein paar Auszüge. Ich empfehle unbedingt die 3 Beiträge zu lesen (vor allem der zweite), denn all die spannenden Beispiele fehlen in dieser Zusammenfassung.

1. Beitrag: Wie ein Sprachwissenschaftler zu der Bibel kam

(Zusammenfassung des Artikels, welcher am 28.8.2014 auf dem deutschen Logos-Blog erschien)

Hermann Menge

Hermann Menge lebte von 1841–1939. Er war Gymnasial-Lehrer für Altphilologe (Griechisch und Latein). Er war als Wissenschaftler wie auch als Lehrer sehr begabt und erhielt für seine Verdienste einen Ehren-Professor Titel. Für Gott interessierte er sich nicht. Eines Abends empfand er plötzlich ein starkes Drängen, das griechische Neue Testament zu lesen. Kurze Zeit später fing er mit der Übersetzung desselben in die deutsche Sprache an. Er liess sich pensionieren und übersetzte in ca. 15 Jahren die ganze Bibel. Doch: Nach diesen 15 Jahren verschloss er das ganze Manuskript in seinen Schreibtisch! Nur durch glückliche Umstände wurde - Jahre später - die Menge-Bibel gedruckt und mit grossem Erfolg verkauft.

Doch wieso hat Menge denn die Bibel übersetzt, wenn er dann doch nichts unternimmt um sie zu publizieren?

Im Gegensatz zu Menge hatte z.B. Luther die Bibel darum übersetzt, weil das “normale Volk” die damaligen Bibelübersetzungen nicht verstand. Er wollte die Bibel unters Volk bringen. Er glaubte an “sola scriptura” – die Schrift als endgültige Richtschnur; und da war seine Bibel ein Mittel zum Zweck.

Menge aber übersetzte die Bibel in der Absicht, Gott zu finden. Und Gott ließ sich finden: allmählich öffnete der Geist Gottes ihm die Geheimnisse der Schrift. Und in diesem Prozess entstand eine ganze Übersetzung. Die Übersetzung ist sozusagen das Ergebnis von 17 Jahren ununterbrochener stiller Zeit. Es ist die Freude über die Schrift, Teil von Menges Anbetung. Und das, denke ich, macht diese Übersetzung so einzigartig. [aus: Die Menge-Bibel: Einleitung und Biographie]

2. Beitrag: Wie zuverlässig ist die Menge-Bibel? Ein Elch-Test

Menge-Bibel

Verfasst habe ich den 2. Beitrag zusammen mit Benjamin Misja, Theologe und Übersetzer der Offenen Bibel. Die Zusammenarbeit war enorm spannend, da Benjamin nicht nur theologisch durchblickt, sondern auch verständlich und flüssig schreiben kann. Hier ein Auszug aus diesem 2. Beitrag.

Durch seinen Hintergrund als Altphilologe ist Hermann Menge einerseits nahe am Urtext geblieben. Auf der anderen Seite war es ihm wichtig, »nicht am Buchstaben zu kleben«. Daher gliedert sich die Menge-Bibel irgendwo zwischen Elberfelder und Luther/Schlachter ein: Die Menge-Bibel ist genauer als die Luther, aber kommunikativer als die Elberfelder. […]

Die Menge-Bibel tritt sprachlich aus unserer Zeit heraus. Viele Wendungen sind uns heute nicht mehr vertraut. Die Fellkleider, die Gott Adam und Eva in Gen 3,21 macht, oder Josefs schönes Gewand (Gen 37) heißen bei ihm etwa noch “Rock”. Da merkt man: Anders als beispielsweise die Luther-Bibel hat Menges Übersetzung niemals eine Revision erfahren. Menges Sprache wird auf viele heute stellenweise sperrig und ungewohnt wirken. Kein Wunder, hat sie doch nun schon knapp 90 Jahre auf dem Buckel. […]

Leser, die das nicht gewohnt sind, könnten mit Menge ihre Schwierigkeiten haben. Doch wer ähnliche Übersetzungen gewohnt ist, dem könnte diese Bibel dabei helfen, vertraute Texte neu zu entdecken.

Für viele könnte es sich lohnen, beim Bibelstudium neben den gewohnten Übersetzungen auch einmal einen Blick in die Menge-Bibel zu werfen. Gerade durch ihren ganz eigenen Charakter könnte sie dem Leser aber auch einen frischen Zugang zum Bibeltext eröffnen. Nicht ohne Grund gehört diese Übersetzung auch knapp 90 Jahre nach ihrer Veröffentlichung zu den angesehensten deutschen Bibelübersetzungen.

[aus: Die Menge-Bibel: Der Elch-Test]

3. Beitrag: 4 Gründe wieso ich ein Fanboy der Menge-Bibel wurde

Und dann, nach weiteren Stunden Beschäftigung mit der Menge-Bibel liess ich mich im 3. Beitrag zum “darf in ihrer Bibliothek nicht fehlen”-Satz hinreissen. Ein paar Auszüge:

[In den Briefen] führt [er] alternative Übersetzungen, zusätzliche Wörter und eigene Deutungen stets auf. Daher hat man bei der Menge-Bibel sozusagen Wörterbuch und Interpretation gleich in den Text eingebaut. Es wirkt zwar etwas seltsam, dass die Anmerkungen in der Menge-Bibel im Text sichtbar sind, und nicht – wie etwa in der Elberfelder – in die Fußnoten ausgelagert wurden. Liest man die Menge-Bibel aber als Sekundärtext, um die Übersetzung einer anderen Bibel zu prüfen oder zu vertiefen, dann eignet sich die Menge-Bibel ausgezeichnet. Denn in diesem Fall will man nicht immer zwischen Text und Fußnoten hin- und herwechseln.

Für das Bibelstudium bietet die Menge-Bibel sogar noch mehr Anmerkungen als die Elberfelder Übersetzung […]

Am besten gefällt mir aber an Menge zweifelsfrei, wie er Erzähltexte übersetzt. […] Was hier ganz speziell hervorsticht, ist, wie Menge es verstand, diese Berichte zum Leben zu erwecken. […] Als ich z.B. die Bekehrungsgeschichte von Kornelius in Apg. 10 las, wurde die Geschichte auf eine Weise lebendig, wie ich es selten erlebt habe. Hier ein Vers aus der Geschichte (Apg. 10:17):

MengeElberfelderLuther
Als nun Petrus sich __nicht zu erklären wußte__, was die Erscheinung, die er gesehen hatte, zu bedeuten habe, siehe, da standen die Männer, die von Kornelius abgesandt worden waren und __das Haus Simons ausfindig gemacht hatten__, am Toreingang;Als aber Petrus bei sich selbst __in Verlegenheit war__, was wohl diese Erscheinung bedeuten möchte, die er gesehen hatte, siehe, da standen die Männer, die von Kornelius gesandt waren und __Simons Haus erfragt hatten__, vor dem Tor;Als aber Petrus noch __ratlos war__, was die Erscheinung bedeute, die er gesehen hatte, siehe, __da fragten die Männer__, von Kornelius gesandt, __nach dem Haus Simons__ und standen an der Tür,

Luther übersetzt mit “ratlos“. Das fände ich nach heutigem Sprachempfinden dann treffend, wenn Petrus eine Entscheidung treffen müsste und unschlüssig wäre. Aber die Vision verlangte Petrus keine Entscheidung ab. Nein, die Vision bereitete ihn auf das vor, was danach geschah.

Die Elberfelder übersetzt mit “Verlegenheit“. Auch das trifft es für heutige Leser nicht mehr, denn es erweckt den Anschein, als erwartete Gott von ihm, die Vision zu verstehen, obgleich Petrus dazu nicht im Stande war. So wie die Geschichte aufgebaut ist, muss Petrus nicht verlegen sein, denn es fehlt ihm noch ein weiteres Puzzle-Teil, das er später bei der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die Heiden erhalten wird (V. 44–47).

Menge übersetzt hier am treffendsten: Er beschreibt, wie Petrus die Bedeutung der Vision noch “nicht zu erklären wusste”, und bereitet den Leser auf die Lösung des Rätsels vor.

Insgesamt hilft mir Menges Übersetzung, in die Erzählungen hineinzutauchen, als wäre ich selbst am Ort des Geschehens. Es ist gewaltig! Ebenso gut übersetzt sind übrigens die Erzählungen des Alten Testaments.

Fazit

Die Menge-Bibel besticht durch ihre Liebe zum Detail. Menge hat bis zu seinem Tod an seiner Bibel gefeilt und korrigiert. Herausgekommen ist eine Übersetzung mit vielen Stärken: Die Berichte sind lebendig, die Briefe sind genau und die Psalme sind dramaturgisch geschickt aufgearbeitet.

Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Sprache nach knapp 90 Jahren etwas veraltet wirkt. Ist zu hoffen, dass sich jemand an eine sprachliche Erneuerung dieses Werkes wagt.

Die Menge-Bibel gibts online auf die-bibel.de oder auf Amazon.de.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe über Bibelübersetzungen. Hier geht’s zur Übersicht.

Neue Zürcher-Bibel

Neue Zürcher Bibel

Die Zürcher-Übersetzung hat ihren Ursprung in der Reformation. Sie wurde ursprünglich von einer Gruppe um Zwingli übersetzt, wird darum z.T. auch «Zwingli-Bibel» genannt. Am Anfang wurde die Luther-Übersetzung ziemlich 1:1 übernommen, die Zürcher-Bibel als Gesamt-Ausgabe wurde dann aber 5 Jahre vor der Luther-Bibel veröffentlicht.

Die Neue Zürcher Bibel ist nun eine Übertragung der Zürcher Bibel in eine modernere Sprache.

Die Neue Zürcher-Bibel ist der Luther und der Schlachter-Übersetzung sehr ähnlich: Nicht so wörtlich wie die Elberfelder, dafür deutlich verständlicher, aber doch wesentlich genauer als die NGÜ.

Zum Beweis der Vergleich von Römer 3:25:

| Elberfelder | Schlachter | Neue Zürcher |
-|-
| Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort | Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt | Ihn hat Gott dazu bestellt, Sühne zu schaffen |
| durch den Glauben an sein Blut | [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut | - die durch den Glauben wirksam wird- durch die Hingabe seines Lebens |
| zum Erweis seiner Gerechtigkeit | um seine Gerechtigkeit zu erweisen | Darin erweist er seine Gerechtigkeit, |
| wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden | weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, | dass er auf diese Weise die früheren Verfehlungen vergibt |

Wortwahl

Die Zürcher-Bibel wirkt an vielen Stellen etwas frischer als Luther oder Schlachter. Hier bei Römer 3:25 nimmt sie “Verfehlungen” statt “Sünden”. Der Vers 27 übersetzt sie so:

Wo bleibt da noch das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch was für ein Prinzip? Das der Leistung? Nein, durch das Prinzip des Glaubens

Elberfelder, Schlachter und Luther haben statt “Prinzip” alle “Gesetz”. Ich finde “Prinzip” besser verständlich, und es macht klar, dass hier nicht das Gesetz des Alten Testaments gemeint ist sondern das Prinzip von Leistung ⇒ Lohn.

Auch sonst ist die Zürcher an manchen Stellen etwas moderner als Schlachter und Luther, hier ein Vergleich von 20 Versen zu Elberfelder, Schlachter und Luther.

Leider behält aber auch die Zürcher-Bibel an vielen Orten die Luther-Wörter bei, wie z.B. “Licht unter den Scheffel stellen” (Mt. 5:13) oder Knecht (Lk 7:2) und Magd (Lk 1:48).

die historisch-kritische Methode

Die Bibeln, über welche ich bisher geschrieben haben (Elberfelder, Schlachter, NGÜ und zum grössten Teil auch Luther) fordern den Leser auf den Text wörtlich zu nehmen. Das heisst: In den Einleitungen und in den Begriffserklärungen wird erklärt, dass die Ereignisse, wie sie im Alten und Neuen Testament beschrieben sind, auch tatsächlich so passiert sind.

Nun hat sich unter liberalen Theologen seit dem 19. Jahrhundert die historisch-kritische Methode verbreitet. Sie behauptet, dass man Vieles der Bibel nicht wörtlich verstehen soll, sondern nur als Sinnbild (Allegorie). Nach dieser Methode sind auch die Einleitungen und Kommentare der Neuen Zürcher Bibel entstanden.

Im Wesentlichen behauptet die historisch-kritische Methode, dass:

  1. Prophezeiungen und die Erfüllung erst im Nachhinein in die Bibel geschrieben wurden
  2. Gottes-Offenbarungen nicht wirklich von Gott kommen, sondern nur die Art ist, wie die Menschen Gott früher verstanden haben
  3. Wunder nicht wirklich passiert sind, sondern nur Symbole für Gottes Charakter sind
  4. man der Bibel bei geschichtlichen Ereignissen nicht wirklich trauen kann

Prophezeiungen und Gottes-Offenbarungen

Ein Beispiel: In Lukas 2:4 steht, dass Jesus in Bethlehem zur Welt kam. Damit wird die Prophezeiung des Alten Testaments (Micha 5:1) erfüllt:

Und du, Bethlehem- Efrata, […],
aus dir wird er für mich hervorgehen,
um Herrscher zu sein über Israel.
Und seine Ursprünge liegen in der Vorzeit,
in längst vergangenen Tagen.

Theologen der historisch-kritische Methode glauben nicht an solche Prophezeiungen. Sie behaupten: entweder

Jesus wurde gar nicht in Bethlehem geboren, dies ist einfach ins Matthäus- und Lukas-Evangelium eingefügt wurde, damit Jesus alle Prophezeiungen des Alten Testaments erfüllt

Oder sie sagen:

Jesus wurde zwar in Nazareth geboren, aber die Prophezeiung wurde nachträglich in Micha 5:1 eingefügt

So oder so: Alle Prophezeiungen werden zunichte gemacht.

Und damit nicht genug! Sie behaupten, dass Gott sich Mose nicht selbst geoffenbart hat. Sie sagen, dass der Bundesschluss am Berg Sinai nachträglich erfunden wurde um dem Volk Israel eine “Geschichte” zu geben, dass es so aussieht, als wäre es Gottes Volk.

Ziemlich starker Tobak, nicht?

Wunder und andere geschichtlichliche Ereignisse

Die historisch-kritische Methode verneint auch die meisten Wunder. Als Beispiel: Das Buch Jona beschreibt, dass Jona über Bord eines Schiffes geworfen, von einem Fisch verschluckt und 3 Tage später ans Ufer des Meeres gespuckt wurde. Ein gewaltiges Wunder!

Doch die Zürcher Bibel schreibt in der Einleitung des Buches Jona:

in diesem Buch [geht es] nicht um einen Bericht über geschichtliche Ereignisse, sondern um eine Erzählung, die den Lesern bestimmte Fragen stellen und bestimmte Einsichten vermitteln will

Und es bleibt nicht bei der Geschichte von Jona: Die historisch-kritische Methode interpretiert weite Teile des Alten Testaments als Allegorie (Sinnbild): Sie behauptet, dass Adam und Eva nicht wirklich gelebt haben, dass die Durchquerung des roten Meeres nicht stattgefunden respektive sich natürlich erklären liesse, etc. Allgemein werden einfach alle übernatürliche Wunder in den gleichen Topf wie Jesu’ Gleichnisse geworfen: »Hat nicht stattgefunden sondern dient lediglich dazu einen Wesenszug von Gott zu erklären«.

Und damit nicht genug: auch Jesus selber wird als “nicht historisch” abgetan. Die Begriffserklärung zum “Kreuz” fängt mit diesem Satz an:

Über das Leben Jesu ist wenig historisch Erwiesenes bekannt

Und auch die Auferstehung Jesu’ wäre nicht wirklich so passiert:

Die Kreuzigung markiert das Ende des Berichts über den irdischen Jesus; die Auferstehung begründet den Anfang der Geschichte des Glaubens an ihn

Und so weiter und so fort. Die Bibel wird von den liberalen Theologen vollständig demontiert, bis nichts mehr da stand, wo es mal gestanden hat.

Wie wissen wir, dass die Bibel wörtlich zu verstehen ist?

Es ist eigentlich ganz einfach: Jesus selber interpretiert das Alte Testament wörtlich. In Mt. 12:14 sagt Jesus, dass Jona tatsächlich 3 Tage im Fisch drin war, und danach tatsächlich nach Ninive predigen ging. Auch in allen anderen Stellen wo Jesus auf das Alte Testament Bezug nimmt: er interpretiert die Schrift immer wörtlich und nicht allegorisch.

Aber auch die Apostel schreiben immer wieder, dass das Christentum keine Erfindung sei:

2. Petrus 1:16

Denn nicht weil wir klug ausgedachten Mythen gefolgt sind […] sondern weil wir Augenzeugen seines majestätischen Wesens geworden sind […] als eine Stimme von der erhabenen Herrlichkeit her erklang […] und diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm zusammen auf dem heiligen Berg waren

Oder:

1. Kor 15:4

dass er am dritten Tage auferweckt worden ist […] und dass er Kefas erschien und dann den Zwölfen.
Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch leben

Dies macht klar, wie die Bibel zu verstehen ist: wörtlich und nicht allegorisch!

Kommt es überhaupt drauf an?

Ja, ja, ja! Es kommt sehr drauf an, ob man die Bibel wörtlich oder allegorisch interpretiert. Ich habe eben gerade Francis’ Schaeffers “Die grosse Anpassung” gelesen; und dieses Buch beschäftigt sich ausschliesslich mit der liberalen Theologie und dessen Folgen.

Er vergleicht die Frage “wörtlich oder allegorisch” mit einer Wasserscheide in der Schweiz: auf der einen Seite der Gebirges fliesst das Wasser über den Rhein in die Nord-See und auf der anderen Seite über die Rhone ins Mittelmeer. So verhält es sich auch mit der Bibelauslegung: jemand der die Bibel wörtlich liest, kommt an einem ganz anderen Ort an als ein anderer, der sie allegorisch liest. Der eine bleibt ein Zeuge des Christentums; jemand der die Konfrontation nicht scheut und das Christentum im vollen Masse verkündet. Der andere reduziert das Christentum, bis es nur noch eine blosse persönliche Begegnung mit Jesus ist (was er das »Zeugnis in ihrem Inneren« nennt).

Schaeffer führt im Buch einige Beispiele an: Leute, welche der Bibel die Autorität abtun und was mit ihnen passiert ist. Ich wollte selber prüfen, ob diese Frage sich wirklich so umfassend auf das Leben auswirkt:

Vor Jahren habe ich einen Blog gelesen “Fire and Knowledge” eines Mannes aus den USA, den ich damals als Christen kennengelernt hatte. Nun bin ich durch Zufall auf einen Artikel von ihm gekommen wo er schreibt, dass er glaube, dass Genesis (Adam+Eva, Sintflut, etc.) nicht wörtlich zu verstehen sei. Der Beitrag war von 2010. Ich bin der Sache nachgegangen und habe den Verlauf seines Blogs gelesen. Und tatsächlich, über die Zeit kamen nach und nach immer kritischere Beiträge über das Christentum. Beunruhigt (er war sowas wie mein “Blogging Hero”) habe ich ihn angeschrieben und fragte ihn, wie es um seinen Glauben stehe, in der Hoffnung, dass sein Glaube an Gott trotz allem noch vorhanden wäre.

Seine Antwort übertraf meine schlimmsten Befürchtungen. Er hat keinen Funken Glauben mehr an Gott, und er ist sich seiner Sache sicher. Dies war nun genug Beweis für mich: die liberale Theologie ist super-gefährlich für den Glauben.

Kann man der Übersetzung überhaupt trauen?

Ich habe mich gefragt, was denn die Motivation hinter einer solchen Bibel-Übersetzung ist. Immerhin haben ca. 100 Personen während 20 Jahren daran gearbeitet. Wenn ja doch die Authentizität der Bibel in Frage gestellt wird, wieso der ganze Aufwand?

Ich denke die Motivation lag daran “Geschichtsforschung” zu betreiben: “Was haben die Menschen damals geglaubt?” war wohl die zentrale Frage der Mitarbeitenden. Und daher fiel die Übersetzung sehr genau aus. Sie versuchten nicht, ihre Überzeugungen in den Text hineinzudrücken; dafür nahmen sie sich genügend Platz in den Einleitungen und in den Sach- und Worterklärungen.

Zum Beispiel befürworten liberale Theologen die Homosexualität, doch in Römer 1:26-27 wird Homosexualität verurteilt - auch in der Neuen Zürcher Bibel. Daher kann man der Übersetzung prinzipiell trauen.

Nur frage ich mich, ob die liberale Theologie nicht doch irgendwie durchschimmert und beim längeren Lesen irgendwie mitschwingt?

Fazit

Ich würde die Zürcher-Bibel keinem empfehlen. Gegenüber der Luther und der Schlachter-Bibel bietet sie keine wesentliche Vorteile (sie ist nur unmerklich moderner), aber der ganze Hintergrund der liberalen Theologie macht die Einleitungen und die Sach- und Worterklärungen höchst schädlich für den Glauben, und vermutlich ist auch der Bibeltext selber auf irgend eine Art und Weise so gefärbt.

Update: Sergej Pauli hat auf nimm-lies die Zürcher-Bibel reviewed und weist darauf hin, dass es die Zürcher-Bibel auch ohne Einleitungen und Glossar zu kaufen gibt. Kurz: Die Version mit grünem Einband ist schlecht (da mit Einleitungen+Glossar), die blaue ist gut.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe über Bibelübersetzungen. Hier geht’s zur Übersicht.

Luther

Luther-Bibel

Martin Luther übersetzte die Bibel in einer Zeit, als immer noch die Meinung herrschte, die Bibel sei nichts für den “normalen Mann”. Es gab zwar schon andere deutsche Übersetzungen, diese waren aber alles Wort-für-Wort—Übersetzungen aus der lateinischen Vulgata.

Luthers Argumentation für eine freie Übersetzung

Luther wollte aber die Bibel dem Volk öffnen und hielt nichts von den Wort-für-Wort-Übersetzungen. Er schrieb:

man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man soll Deutsch reden, wie diese Esel tun, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; da verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihnen redet.

Er wurde scharf angegriffen - vor allem von der katholischen Kirche - da er sich von der wörtlichen Übersetzung distanzierte und Redewendungen ins Deutsche übertrug. Luther schoss zurück: in seinem Sendebrief vom Dolmetschen nennt er seine Gegner Buchtabilisten und verteidigt seine Art zu Übersetzen.

An was störten sich die Buchstabilisten? An dem, dass Luther so übersetzte: statt Gegrüßet seist du, Maria voll Gnaden schrieb er Gegrüßet seist du, Maria du Holdselige (Lk 1:28), denn:

welcher Deutscher verstehet, was da heißt: voll Gnaden? Er muss denken an ein Fass voll Bier oder Beutel voll Geldes; darum hab ich’s verdeutscht: Du Holdselige

Anstatt Aus dem Überfluss des Herzens redet der Mund übersetzte er Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über (Mt. 12:34). Denn:

Was ist Überfluss des Herzen für ein Ding? Das kann kein Deutscher sagen, es sein denn, er wollte sagen, es bedeute, daß einer ein allzu groß Herz habe oder zuviel Herz habe; wiewohl das auch noch nicht recht ist, denn Überfluss des Herzens ist kein Deutsch, so wenig als das Deutsch ist: Überfluss des Hauses, Überfluss des Kachelofens

Die Diskussion, ob die Bibel möglichst wörtlich oder möglichst verständlich übersetzt werden soll, ist spannend und wird auch heute noch geführt, allerdings häufig viel zu erbittert: Im Netz fand ich endlose Schimpftiraden gegen freie Übersetzungen: Nicht nur gegen “Hoffnung für alle” sondern auch gegen die “Neue Genfer Übersetzung” wird gewettert. Den freien Übersetzungen wird vorgeworfen, das Wort Gottes so zu verdrehen, dass es die eigene Ansichten unterstütze. Ironischerweise werden diese Argumente von Befürwortern der alten Luther benutzt; gerade die Bibel, welche zu ihrer Zeit als “freie Übersetzung” galt.

Dabei geht es doch darum, das Wort Gottes den Menschen näher zu bringen. Und da ist es doch klasse, dass wir im deutschen Raum so viele verschiedene Übersetzungen haben. Da können wir doch den kirchenfremden eine NGÜ geben und den Intellektuellen eine Elberfelder. Geht doch!

Das “Luther-Deutsch”

Doch zurück zu Luther: Als ich vor knapp 20 Jahren Christ wurde, kannte ich die Bibel noch gar nicht. Für mein persönliches Bibelstudium bekam ich eine Luther-Bibel geschenkt. Ich erinnere mich noch, wie ich jeden Morgen in dieser Bibel las und dabei nicht nur der Inhalt neu war, sondern auch die Sprache: Denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (steht immer noch in der Version von 1984!); das verstand ich zwar, vermittelte aber, dass Christentum etwas antiquiertes war. Nach einiger Zeit gewöhnte ich mich daran und dachte: «Nunja, das ist halt wie Gott spricht»

Was heute so antiquiert klingt war zu Luthers Zeit höchst aktuell: Luther hat “dem Volk auf’s Maul geschaut”: Statt die lateinischen oder griechischen Wörter direkt zu übertragen, hat er Wörter aus der Umgangssprache seiner Zeit genommen und diese benutzt, um den Text zu erklären. Dabei hat er einige Wörter erfunden oder zumindest geprägt und hat so sogar das “Hochdeutsch” (nämlich dem Deutsch in der Region Luthers) zum Standard-Deutsch erhoben.

Ein paar Beispiele:

  1. Das Scherflein der Witwe (Lk. 21:2): Ein Scherf war eine geringe Kupfermünze in seiner Region zur Zeit von Luther, nicht etwa eine Geldmünze zur Zeit des neuen Testaments.

  2. das Licht unter den Scheffel stellen (Mt. 5:15). Scheffel war nicht etwa eine Masseinheit der Zeit Jesu’ sondern diese wurde ab dem Mittelalter benutzt.

  3. Götze (z.B. Apg.15:20) Das griechische Wort ist εἴδωλον (eidōlon) und wörtlich übersetzt wäre es “Idol”, Luther hat hier das mittelhochdeutsche Wort “Götze” genommen, das zu dieser Zeit ein Wort für Heiligenbilder war (auch die der katholischen Kirche!).

  4. Magd (z.B. Lk 1:48) oder Knecht (z.B. Lk 7:2): Das griechische Wort kommt von odδοῦλος (doulos) und bezeichnet ein Sklave oder ein Bediensteter. Zu Luthers Zeit sagte man dem eben Knecht oder Magd.

Spannend ist nun, dass Scherflein, Scheffel und Götze alles Wörter sind, welche wir heute nur noch aus der Bibel kennen; zur Zeit Luthers aber waren es Wörter der Umgangssprache. Das wären eigentlich die Wörter, welche von modernen Übersetzungen ersetzt werden müssten.

Eigenartig ist nun, dass Luther, Elberfelder, Schlachter und die Zürcher-Bibel alle immer noch Licht unter den Scheffel haben, obwohl es das Mass längst nicht mehr gibt. Ebenso verhält es sich mit Scherflein, oder Knecht und Magd (heute wären dies Bedienstete oder Mitarbeiter).

Dies zeigt, was für einen enormer Einfluss die Luther-Bibel auf alle wörtlichen Übersetzungen hatte und auch heute noch verübt. Sie war und ist die populärste aller deutschen Bibeln. Die Luther-Bibel lag einmal in jedem 5. deutschen Haushalt! Nun wagt es keine der namhaften Übersetzungen, sich vom “Mittelalter-Vokabular” von Luther zu lösen.

Das Problem ist nämlich, dass sich die Kirche so an die Übersetzung gewöhnte, dass neuere Übersetzungen abgelehnt wurden, welche eben diese Wörter durch neuere Begriffe ersetzen wollten.

So z.B. die Revision der Lutherbibel von 1975: aus Scheffel wurde Eimer und prompt wurde die Übersetzung abgelehnt! Die Revision wurde verspottet und kriegte den Übernamen “Eimertestament”. Die Menschen hätten sich zu sehr an die Wörter gewöhnt.

Die neueste Revision der Luther-Bibel (1984), machte also die Vorschläge von 1975 rückgängig und nahm nur dort neueres Vokabular, wo die Verse nicht allzu bekannt waren.

Und das ist nun der Zustand der heutigen Luther-Bibel: An einigen Stellen gut, bei anderen extrem verstaubt. Vor allem bei bekannten Stellen (da wo die Luther-Bibel den Text fett hat). Einen Vergleich der Wortwahl zwischen Luther, Schlachter und Elberfelder habe ich hier zusammengestellt.

Anmerkungen

Wie steht es mit Anmerkungen (Einleitungen, Glossar)? Die Luther-Bibel wird von der reformierten Kirche Deutschlands herausgebracht, daher hatte ich befürchtet, dass sie sehr bibelkritisch oder “reformiert” sind (so wie die Einheitsübersetzung oder die Neue Zürcher)

Aber dem ist nicht so. Zumindest in meiner Ehe-Bibel mit Apokryphen war der Glossar recht ok: Die Schreiber nehmen an, dass das Paradies bei Adam und Eva tatsächlich existierten. Die Geschichte von Jona kommentieren sie mit “im alttestamentlichen Jonabuch wird erzählt…”:

Überall schimmert ein Zweifel durch, aber nirgends wird die Unfehlbarkeit der Bibel explizit in Frage gestellt. Es scheint, als wollten die Schreiber auch in den Anmerkungen Luther treu bleiben.

Fazit

Die Luther-Bibel ist eine genaue und gut lesbare Übersetzung, welche ich Menschen mit Kirchen-Hintergrund gerne empfehlen würde.

Sprachlich steht die Luther leicht hinter der Schlachter und der Zürcher-Bibel, vor allem dort wo sie nicht revidiert wurde. Wenn jemand mit Hoffart, Heiland und Kleinoden keine Probleme hat, ist Luther voll ok, für andere welche eine genaue Übersetzung suchen würde ich eher Schlachter empfehlen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe über Bibelübersetzungen. Hier geht’s zur Übersicht.

Schlachter-Übersetzung

Schlachter Bibel

Gerade mal vorneweg: Das schlimmste an der Schlachter-Übersetzung finde ich ja den Namen. Da kommt mir “Schlachthof” in den Sinn und Blut, und Opfertiere. Ganz ehrlich: diese Abneigung hatte bei mir bisher genügt, um mich nie wirklich mit dieser Übersetzung auseinander zu setzen. Schade, denn bei näherem Studium hat sie sich zu meiner Lieblings-Übersetzung gemausert. Aber nun mal von Vorne.

Franz Eugen Schlachter

Die Übersetzung ist das Werk von Franz Eugen Schlachter, welches er im Alleingang um 1900 schrieb. Er war Prediger in Bern und war Teil der Erweckungsbewegung. Daher hat diese Übersetzung freikirchliche Wurzeln. Das ist vor allem wichtig, wenn man Einleitungen zu den Büchern liest oder Erklärungen im Anhang. Was ich da bisher gelesen habe war sehr gut.

Schlachter orientierte sich bei seiner Übersetzung an den schon bestehenden Übersetzungen “Luther” und “Zürcher-Bibel”. Die 3 Übersetzungen sind im Wesen sehr ähnlich: Die christlichen Begriffe wir Sühne werden stehen gelassen, aber der restliche Wortschatz ist in den neueren Versionen recht zeitgemäss und gut verständlich.

Schlachter ist zwar nicht so leicht zu lesen wie die NGÜ, dafür übersetzt sie “wörtlich” (Strukturtreu) und ist daher viel näher am Urtext als die NGÜ. Sie ist auch wesentlich kürzer als die NGÜ, daher ist die Schlachter ideal zum Auswendiglernen.

Sprachliche Unterschiede zu Luther und Elberfelder

Als Vergleich zur Elberfelder und Luther nochmals Römer 3:25:

| Elberfelder | Schlachter | Luther |
-|-
| Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut | Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut | Den hat Gott für den Glauben hingestellt als Sühne in seinem Blut |
| zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden | um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren, | zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden |

Ich finde die Schlachter-Version hier sehr gelungen: Der Zusammenhang zwischen Glauben und Sühne ist gut verständlich, es ist auch klar, dass [das wirksam wird] ein Erklärungs-Einschub ist, der im Urtext nicht vorhanden ist.

Ich finde auch weil er die Sünden ungestraft liess besser als das wegen des Hingehenlassens (ELB) oder indem er die Sünden vergibt (LUT).

Präpositionen

Allgemein sind die Präpositionen in der Schlachter besser gewählt als bei Elberfelder oder Luther, als Beispiel Johannes 6:10a:

| Elberfelder | Schlachter | Luther |
-|-
| Jesus sprach: Macht, dass die Leute sich lagern! Es war aber viel Gras an dem Ort | Jesus aber sprach: Laßt die Leute sich setzen! Es war nämlich viel Gras an dem Ort | Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort |

Im Urtext steht δέ - was mit und, aber oder auch, etc. übersetzt werden kann. Luther und Elberfelder suggerieren mit aber, dass das Gras ein Problem ist; dass sich die Leute hinsetzen sollten aber wegen dem Gras das nicht möglich war. In Wahrheit ist genau das Gegenteil der Fall: das Gras lud gerade dazu ein, sich hinzusetzen. Wieso Luther und Elberfelder an dem aber festhalten, ist seltsam.

ist Schlachter modern?

Im Allgemeinen finde ich die Schlachter 2000 bloss “ok” was den modernen Sprachgebrauch angeht. Es könnte eine Spur besser sein. Gegenüber der NGÜ wirkt Schlachter an manchen Stellen etwas antiquiert. Ich denke die Übersetzung könnte zeitgemässer sein ohne ihre Wörtlichkeit einzubüssen.

Als Beispiel Mt. 6:19

Schlachter NGÜ
Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo die Motten und der Rost sie fressen und wo die Diebe nachgraben und stehlen. Sammelt euch keine Reichtümer hier auf der Erde, wo Motten und Rost sie zerfressen und wo Diebe einbrechen und sie stehlen

Im Vergleich zu anderen wörtlichen Übersetzung (Luther und der Neuen Zürcher Bibel) ist die Schlachter aber ebenbürtig was den modernen Sprachgebrauch angeht. Mehr dazu im nächsten Beitrag.

Textus Receptus vs. Nestle Aland

Zum Schluss noch zu einem recht heiklen Thema: Die Schlachter übersetzt aus dem “Textus Receptus”, einer älteren Zusammenstellung des griechischen Urtexts. Alle anderen bekannten deutschen Bibeln übersetzen aus “Nestle Aland”, einer Textform des Neuen Testaments, welche auf neueren Erkenntnissen (Funden) beruht, und daher ein wissenschaftlicherer Ansatz zur Wiederherstellung des Urtextes ist als “Textus Receptus”.

kurzer Exkurs in die Geschichte des griechischen Urtexts

Ob “Textus Receptus” oder “Nestle Aland”: darüber wird heftig debattiert. Die neueren deutschen Bibeln nehmen alle “Nestle Aland” als Urtext, ausser eben die Schlachter. Bei den englischen Bibeln sieht es ähnlich aus: Die “New King James Version” (NKJV) ist eine der wenigen, welche noch auf Textus Receptus beruht.

Wen es interessiert, der findet auf dem Netz hunderte Abhandlungen. Ich versuche die Diskussion hier zusammenzufassen (das Meiste habe ich von “The Integrity of the New Testament” von Dan Peters):

Die Darstellung rechts zeigt die Funde von griechischen Abschriften des Neuen Testamentes: Je breiter der schwarze Balken, desto mehr Funde:

Gefundene Abschriften Alexandrinisch, Western und Minisculen (Byzantinisch)

Die Funde kann man 3 Text-Gruppen zuordnen:

  • Gruppe A: Die Alexandrinischen Textfunde (auf dem basiert Nestle Aland hauptsächlich)
  • Gruppe M: die Minisculen Textfunde, auch Mehrheitstext genannt (auf dem basiert Textus Receptus hauptsächlich)
  • Gruppe W: der “Western Text” (wird für keine Übersetzung gebraucht)

Zur Zeit der Reformation gab es nur die lateinische Vulgata und die Zusammenstellung von griechischen Texten von “Erasmus von Rotterdam”, welche auf einem halben Dutzend Manuskripten beruhte, die damals im Umlauf waren. Da die Mehrheit der damaligen Manuskripte aus der “Gruppe M” kamen, basiert der Textus Receptus hauptsächlich darauf (abgesehen von ein paar Abweichungen).

Als später dann mehr und mehr Texte der Gruppe A gefunden wurden, wurde der Text-Apparat für die neueren Übersetzungen geschaffen (“Nestle Aland” und andere).

Geographische Zuordnung Funde Textus Receptus (Alexandrinisch) und Nestle Aland (Byzantinisch)

Wieso waren die Abschriften der Gruppe A (Alexandrinische Texte) praktisch ausgestorben? Das kommt daher, dass um 650 die Islamische Expansion auch Ägypten erreichte und das Christentum dort unter Druck kam. Somit verringerte sich die Anzahl Abschriften dieses Text-Typs, bis er um 1400 endgültig ausstarb.

Die Abschriften der “Gruppe M” wurden im byzantinischen Reich kopiert, welches der Muslimischen Expansion standhalten konnte, daher konnte sich diese Version gut halten und wurde durch das Mittelalter hindurch bis zur Reformation vervielfältigt.

So kam es also, dass die erste Luther-Übersetzung, die King James und alle anderen Übersetzungen um die Reformation aus dem “Textus Receptus” übersetzt wurden.

Nun gibt es auch heute Christen, welche den griechischen Text des “Textus Receptus” vorziehen. Sie argumentieren, dass Gott in seiner Allmacht Abschreibefehler gar nicht zugelassen hätte, und daher der “Textus Rezeptus” der richtige überlieferte Text ist (“Textus Receptus” heisst übersetzt “der empfangene Text”). Ausserdem habe Gott durch die King James Version und die originale Luther-Übersetzung auf der Welt eine Erweckung bewirkt und das beweise, dass dies die wahre Überlieferung sei.

Ich finde diese Argumentationen fragwürdig, denn Gott hat ja auch zugelassen, dass sich schon relativ früh Irrlehren in die katholische Kirche eingeschlichen hatten (z.B. Kindertaufe und Priesterweihe waren schon bei den Kirchenvätern verbreitet). Und dass Gott trotz Fehlern ein Vorhaben segnet, das sehe ich selber in meinem eigenen Leben.

Ich glaube Gott ruft uns dazu auf, sein wahres Wort wiederherzustellen. Daher glaube ich an den wissenschaftlichen Ansatz zur Wiederherstellung der Bibel.

Unterschiede zwischen “Textus Receptus” und “Nestle Aland”

Wie gross sind eigentlich die Unterschiede der beiden Urtext-Varianten? Kommt es überhaupt drauf an, aus welchem Urtext eine Bibelübersetzung stammt?

Die kurze Antwort: Es kommt nicht drauf an. Es gibt keine mir bekannte Lehre, welche nur auf der “Textus Receptus” beruht oder nur auf “Nestle Aland”.

Die längere Antwort: Ja, in vielen Versen gibt Unterschiede, aber keiner der Unterschiede ist wirklich relevant. Meine Schlachter-Bibel führt im Anhang eine Liste der Unterschiede zwischen dem Textus Receptus und der “Mehrheitstext” auf (Gruppe M). Das ist etwas verwirrlich, denn ich erwartete da eine Gegenüberstellung zwischen Textus Receptus (Basis für Schlachter) und dem Nestle-Aland-Text (Basis für alle anderen deutschen Bibeln). Die Liste habe ich hier zusammengestellt. Keiner der Unterschiede finde ich relevant.

Die Liste, welche ich eigentlich erwartet hätte findet man hier (Englisch): Diese Auflistung zeigt die wichtisten Unterschiede zwischen Nestlé Aland und Textus Receptus.

Die meisten dieser Unterschiede sind bei der Elberfelder-Bibel als Fussnoten vermerkt. Einige wenige auch bei Luther (z.B. der Zusatz beim Vater unser: denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit). Leider hat die Schlachter selber an diesen Stellen keine Randbemerkungen, damit muss man andere Übersetzungen zur Hand nehmen, um die Unterschiede Textus Receptus/Nestle Aland festzustellen.

Trotz der scheinbar langen Liste der Unterschiede wird klar: Die Unterschiede zwischen den deutschen Bibeln kommt vor allem von der Wortwahl bei der Übersetzung, nicht so sehr vom Wahl des Urtextes.

Und das ist recht erstaunlich! Die “Gruppe A” und die “Gruppe M” wurden etwa ein Jahrtausend voneinander getrennt vervielfältigt und nach 1000 Jahren findet man keine Lehre nur in der einen oder nur in der anderen Übersetzung.

Das ist doch phänomenal! Wer kann da noch behaupten, dass die katholische Kirche ihre Macht missbraucht hätte und systematisch Bibeln abgeändert hätte, so dass sie weiter in der Macht bleiben kann?

Fazit

Trotz dem Wermutstropfen, dass die Schlachter auf dem Textus Receptus beruht, finde ich die Schlachter-Übersetzung sehr gelungen. Sie ist nahe am Urtext und doch in einer recht modernen Sprache. Sie ist zwar vom Sprachgebrauch her nicht so modern wie NGÜ, aber verglichen mit Luther und der Zürcher Bibel mindestens gleichauf.

Gegenüber der Luther hat die Schlachter den Ruf genauer zu sein. Gegenüber der Zürcher Bibel sind die Einleitungen und der Anhang “gläubig” und nicht Bibel-kritisch, ich kann also die Bibel ohne Aber getrost jemandem schenken.

So gesehen sticht die Schlachter nirgends besonders heraus, ist aber doch die beste ihrer Art.

Für mich nehme ich die Schlachter gerne für mein Bibelstudium wie auch zum Auswendiglernen.

Über weitere Übersetzungen werde ich in den nächsten Tagen schreiben. Als Nächstes werde ich Luther und die Neue Zürcher Bibel unter die Lupe nehmen.

Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe über Bibelübersetzungen. Hier geht’s zur Übersicht.

Neue Genfer Übersetzung (NGÜ)

Neue Genfer Übersetzung In den 80er Jahren wollte die Genfer Bibelgesellschaft die Schlachter-Bibel modernisieren. Da eine neuere Übersetzung die Tradition der Schlachter wahren musste (um "Rückwärts-Kompatibel" zu sein), war der Spielraum einer neuen Übersetzung recht beschränkt. Daher entschied sie sich für 2 Versionen: Die Revision der Schlachter (welche dann 15 Jahre später als Schlachter 2000 herauskam) und der Lancierung einer etwas freieren und moderneren Übersetzung, der "Neuen Genfer Übersetzung" (NGÜ).

Von der NGÜ sind bisher erst das Neue Testament und die Psalmen erschienen.

Die Sprache ist frisch und zeitgemäss, aber nicht salopp. Beim Lesen entsteht ein wirklich schöner Sprachfluss, literarisch gesehen finde ich das eine der gelungensten Übersetzungen.
Die christlichen Wörter wie “Sühne” werden verwendet. Das macht sie wesentlich genauer als die anderen kommunikativen (sinntreuen) Übersetzungen wie “Hoffnung für Alle”. Auf der andern Seite ist sie weniger genau als die strukturtreuen (wörtlicheren) Übersetzung wie Elberfelder oder Schlachter, dafür besser verständlich als diese.

Als Beispiel wiederum Röm. 3:25:

Elberfelder NGÜ
Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort Ihn hat Gott vor den Augen aller Welt zum Sühneopfer für unsere Schuld gemacht.
durch den Glauben an sein Blut Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen, und durch den Glauben kommt sie uns zugute.
zum Erweis seiner Gerechtigkeit Damit hat Gott unter Beweis gestellt, dass er gerecht gehandelt hatte
wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden als er die bis dahin begangenen Verfehlungen der Menschen ungestraft ließ.

Ausführlichkeit

Die NGÜ ist viel ausführlicher als die wörtlichen Übersetzungen, im Vergleich mit der Elberfelder:

  1. die Elberfelder hat 1 Satz, die NGÜ 3 Sätze
  2. Elberfelder: 24 Wörter, NGÜ: 55 Wörter

Schwierige Passagen werden umschrieben. Aus

Glauben an sein Blut

wird

Durch sein Blut, das er vergossen hat, ist die Sühne geschehen, und durch den Glauben kommt sie uns zugute

Dies ist natürlich viel verständlicher. Damit eignet sich die NGÜ hervorragend, um biblische Bücher schnell durchzulesen um einen Überblick zu gewinnen. Selbst den Römerbrief hat man schnell durch und versteht die Kernaussagen und den Aufbau.

Dies hilft dafür nicht beim Auswendiglernen: Sie ist doppelt so lang, daher muss man sich auch doppelt so viel merken.
Ausserdem: wenn ich weiss, dass die Wörter eh nur umschrieben sind, wieso soll ich dann wörtlich auswendig lernen? Dann lerne ich lieber den Sinn auswendig, aber das kann man dann wiederum nicht als auswendig lernen bezeichnen…

Wieviel interpretiert die NGÜ?

Als ich die NGÜ das Erste Mal las, war ich etwas schockiert, wie weit sie im Interpretieren des Textes geht. Das kommt daher, dass sie nach der Methode der “dynamischen Äquivalenz” entstand, nach der gleichen Methode, die auch “Gute Nachricht” und “Hoffnung für alle” verwenden.

Doch wie weit geht die NGÜ wirklich? Jede Übersetzung muss “Weichen stellen”. Z.B. προέθετο (was die Elberfelder mit “hingestellt” übersetzt) kann 2 Bedeutungen haben:

  1. vorherbestimmen
  2. darstellen, offenbar machen

Schlachter und Einheitsübersetzung übersetzen mit Variante 1, Elberfelder, Luther, NGÜ und Gute Nachricht übersetzen es mit Variante 2. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, mehrere Übersetzungen parallel zu lesen um die verschiedenen Lesarten (Übersetzungsmöglichkeiten) zu erkennen.

Wenn die NGÜ Wörter zur Erklärung einschiebt, so tut sie dies `zwischen zwei Apostrophs`. Dies macht weder die “Hoffnung für alle” noch die “Gute Nachricht”. Man merkt also während des Lesens, welche Teile im Griechisch zu finden sind, und welche nur eingeschoben sind zur Erklärung.

Zusätzlich bietet die NGÜ in den Fussnoten die wörtliche Übersetzung und, wenn vorhanden, die verschiedenen Lesarten. Somit eignet sich die NGÜ gut, um schnell einen Überblick zu gewinnen und dann auch Vers für Vers zu vertiefen.

Allerdings: Bei Rom.3:25 hätte ich erwartet, dass die NGÜ vor den Augen aller Welt zwischen Apostrophs setzt, dies hat sie aber nicht getan. Und auch die mögliche Bedeutung, dass Gott Jesus vorherbestimmt hat, lässt sie in den Fussnoten aus. Die Vertiefung gelingt also nicht immer.

Fazit

Die NGÜ interpretiert die Verse zwar, aber nur an den Stellen, wo die Interpretation entweder notwendig (Weichen stellen) oder recht eindeutig ist (Einschub von vor den Augen aller Welt).

Ich finde die Übersetzung sehr gewinnbringend für das Erste Lesen eines Textes (an ein Kapitel herangehen). Für die Vertiefung braucht es dann andere Übersetzungen wie z.B. die Elberfelder.

Sehr gut gelungen finde ich die Psalmen. Ich nehme sie häufig für mein persönliches Gebet. Ich lese einen Vers und bete dann darüber. Da eignet sich die NGÜ hervorragend, da ich sie zügig lesen kann.

Die NGÜ eignet sich auch hervorragend um Nichtchristen das Evangelium näher zu bringen: Durch eine Bibelstudie können Wörter wie Sünde, Gerechtigkeit und das Kreuz erklärt werden, und dann steht dem persönlichem Studium nichts mehr im Wege. Ich habe seinerzeit mit Luther angefangen, und wäre sehr froh gewesen, für eine etwas zugänglichere Übersetzung.

Über weitere Übersetzungen werde ich in den nächsten Tagen schreiben. Als Nächstes werde ich die Schlachter 2000 unter die Lupe nehmen.

Dieser Beitrag ist Teil eine Reihe über Bibelübersetzungen. Hier geht’s zur Übersicht.

Elberfelder

Elberfelder Die Elberfelder hat den Anspruch genau zu sein (strukturtreue Übersetzung). Diesem Anspruch wird sie durchaus gerecht. Nur fällt das sehr zu Lasten der Leserlichkeit.

Als Beispielstext für die verschiedenen Übersetzungen nehme ich Romer 3:25. Es ist ein Schlüsseltext aus dem Römer, ja für die Rechtfertigungslehre überhaupt, und ist daher genügend zentral, so dass die Übersetzungen diesen Vers mit Sorgfalt übersetzten.

Römer 3:25 (Elberfelder)

Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort durch den Glauben an sein Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden

Wenn ich das lese, dann stolpere ich an 2 Stellen: Sühneort und Hingehenlassen. Und so wirkt auf mich die Elberfelder-Übersetzung: es ist ein Stolpertext. Eine zu hohe Barriere zum Verständnis des Wort Gottes.

Keine Angst, ich glaube nicht, dass Gottes Wort an allen Stellen einfach zu verstehen ist. Es ist mir klar, dass Gottes Wort an einigen Stellen recht schwer verständlich ist. Ich suche keine Übersetzung, welche mir die Schwierigkeiten aus dem Text heraus glättet, aber ich suche eine Übersetzung, welche mir den griechischen Text in eine lesbare, deutsche Sprache übersetzt.

Ich will kurz auf die 2 Stolperwörter “Hingehenlassen” und “Sühneort” eingehen:

Hingehenlassen

Wieso steht da Hingehenlassen? Die Elberfelder übersetzt das Wort πάρεσις, welches im Grunde heisst: «Vergebung von Sünden im A.T. im Vorausblick auf den Opfertod des Herrn Jesus». Da dies im Griechischen ein Wort ist, versucht die Elberfelder hier auf Deutsch auch nur ein Wort zu nehmen. Das Problem ist: dieses deutsche Wort gibt es gar nicht. Google liefert zu “Hingehenlassen” nur Ergebnisse zu Römer 3:25. Es ist also eine Elberfeldsche Wortschöpfung.

Dies geht mir zu weit. Es ist mir klar, dass nicht jedes griechische Wort mit einem einzigen deutschen Wort übersetzt werden kann. Das erwarte ich doch nicht. Zum Vergleich die etwas weniger strukturtreue Schlachter-Übersetzung:

Römer 3:25 (Schlachter 2000)

Ihn hat Gott zum Sühnopfer bestimmt, [das wirksam wird] durch den Glauben an sein Blut, um seine Gerechtigkeit zu erweisen, weil er die Sünden ungestraft ließ, die zuvor geschehen waren

Schlachter ist fast 1:1 gleich wie die Elberfelder, bis zu dem Unterschied, dass er πάρεσις mit mehreren Wörtern umschreibt. Und dies macht die Schlachter für mich um einiges verständlicher als die Elberfelder.

Sühneort

Nun zum Sühneort: Das Wort “Sühne” ist einem Nichtchristen ziemlich sicher nicht geläufig. Es gehört zum christlichen Vokabular, so wie Sünde, Demut, das Kreuz, die Arche, etc. Das sind alles Wörter, welche man lernen muss, wenn man Christ wird. Die strukturtreuen Bibeln übersetzen dies nicht weg: Menge, Elberfelder, Luther, Einheitsübersetzung, Zürcher und sogar NGÜ: Alle sprechen von Sühne. (In diesem Vers übersetzt auch Gute Nachricht und Hoffnung für Alle mit “Sühne”, aber in vielen anderen Stellen wird das christliche Vokabular nicht verwendet).

Und das ist gut so. Anders als bei “Hingehenlassen” finden wir für Sühne einen Eintrag in Wikipedia und Duden. Es ist ein deutsches Wort, wohl nicht jedem sofort verständlich. Wer es nicht versteht, denkt sich: “was ist das?” und taucht in ein neues Konzept, das auch durch ein eigenständiges Wort beschrieben wird.

Wieso nimmt nun Elberfelder “Sühneort”? Sühne kenne ich ja mittlerweile, aber was hat denn ein Ort mit der Vergebung zu tun? Es geht doch im Kontext der Stelle um Jesus, und nicht um einen Ort??

Der Grund ist dieser: Das griechische Wort ἱλαστήριον ist ein Hinweis auf den Sühnedeckel der Bundeslade. Darum hat die Elberfelder hier Sühneort gewählt und nicht wie Luther und Einheitsübersetzung einfach nur Sühne.

Ich finde, die Elberfelder gibt hier zu sehr die Nuancen der griechischen Wörter weiter. Diese Details will ich erst beim genauerem Bibelstudium, z.B. durch eine Fussnote so wie in der Schlachter 2000.

Revidierte Elberfelder und Edition “CSV Hückeswagen”

Eine Anmerkung zu den 2 modernen Editionen der Elberfelder: Es gibt die Ausgabe “Hückeswagen (2003)” und die “revidierte Elberfelder” (Ausgaben 1985 und 2006). Beide greifen auf die Elberfelder-Übersetzung von 1855 zurück und haben sie in den modernen Sprachgebrauch übertragen.

Die “revidierte Elberfelder”-Übersetzung war für einige zu wenig strukturtreu, so dass eine Gruppe von Christen die Ausgabe “CSV Hückeswagen” herausgebracht hat, um die Nähe zum Urtext wiederherzustellen. Ich konnte aber zwischen den beiden Übersetzungen keine grossen Unterschiede feststellen.

Fazit: Ich finde die Elberfelder sprachlich zu umständlich. Um an einen neuen Abschnitt heranzugehen, nehme ich lieber andere Übersetzungen und verwende die Elberfelder um den Text zu vertiefen. Zum Vorlesen finde ich sie nicht geeignet, es sei denn, der Text wir danach Wort für Wort erklärt (Exegese-Predigt).

Über weitere Übersetzungen werde ich in den nächsten Tagen schreiben.

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