Philipps Philosophie: Wo bin ich?

Die Aufklärung hatte sich zum Ziel gesetzt, die Welt vom Verstand her zu erklären.

Es war ein gewaltiges Unterfangen, das bis in die heutige Zeit hineinreicht: Menschen taten sich zusammen, um die Ordnung der Welt zu erforschen, allein mit Vernunft. Allein mit dem, was erfahrbar ist. Wie beim Turmbau von Babel war das Ziel, etwas grossartiges zu bauen. Die Prämisse: “Was können wir erreichen, wenn wir alles Wissen zusammenlegen, wenn wir gemeinsam forschen, zusammen experimentieren und erfinden?”.

Eine tolle Idee. Eigentlich. Die Vision einer grossartigen Zukunft. Wenn da nicht dieser Vers wäre:

Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand.

Man kann daher die Aufklärung als ein Experiment ansehen: Was passiert, wenn man diesen Vers konsequent missachtet? Wie wird ein Turm aussehen, dessen Fundament nicht Gottesfurcht, sondern Verstand ist?

Am Anfang sah es noch gut aus: Enzyklopädien wurden geschrieben, physikalische Gesetze aufgestellt, grossartige Erfindungen wie die Elektrizität, Auto und Telefon brachten Wohlstand.

Dann wurde der Turm seltsamer. Alles wurde in das eine System gepfercht, alles vom Verstand her zu erklären. Zu Anfang wurde Gott noch als gegeben betrachtet, später musste auch Gott vom Verstand her erklärt werden. Die Evolutions-Theorie wurde aufgestellt. Gott wurde wegerklärt.

Wie ich im Beitrag über Systeme “Die Marmorsäule und der romantische Felsblock“ beschrieb, haben Systeme einen guten Kern, doch wenn man sie zu weit treibt, dann nehmen sie solch monströse und absurde Auswüchse an, die eigentlich niemand mehr ernst nehmen kann.

Der Atheismus ist ein solcher Auswuchs. Ich verstehe noch immer nicht, wer ernsthaft und konsequent daran glauben kann. Ich finde ihn höchst seltsam, denn er erklärt nichts, sondern lässt bloss alles als sinnlos erscheinen.

Wie Atheismus in aller Konsequenz aussieht, erklärt die folgende Geschichte. Einer meiner atheistischen Freunde hat sie mir erzählt. Ich dachte, sie stamme ursprünglich von Richard Dawkins, konnte aber das Zitat im Internet nicht finden. Ist auch egal. Die Geschichte ist höchstwahrscheinlich erfunden, taugt aber trotzdem für den Anschauungsunterricht:

Ein Mädchen kommt zu seinem Grossvater auf Besuch. Im Wohnzimmer sitzt der Opa gemütlich in seinem Schaukelstuhl und raucht Pfeife. In einem ruhigen Moment fragt der Grossvater das Kind: «Sag mal Kind, wo bin ich?». Das Mädchen war verunsichert über die seltsame Frage. «Da!» Sagt sie und zeigt auf Opa. «Nein, das ist mein Bauch. Du hast auf meinen Bauch gezeigt. Wo bin ich?». Verwirrt zeigt das Mädchen auf den Kopf. «Da?». «Nein, das ist mein Kopf, wo bin ich?». Da fing das Mädchen an zu weinen, weil sie nicht einmal diese einfache Frage beantworten konnte.

Durch den Atheismus kann man gar nichts mehr erklären. Nicht einmal “wo bin ich?”. Das Konzept der Identität verdampft lediglich. Das Wort “ich” und “du” verschwinden im Land der Sinnlosigkeiten, ganz zu schweigen von Wörtern wie Liebe und Mut. Was zurück bleibt ist eine kalte Welt, erfüllt von Enzyklopädien, Autos und mit Strom betriebenen Glühbirnen. Der Turmbau von Babel ist stehen geblieben, weil er plötzlich sinnlos wurde.

Ich will euch als Christen ermutigen, nicht die ganze Welt vom Verstand her erklären zu versuchen. Ich lese gerade die Sprüche und da steht ein interessanter anderer Ansatz, Weisheit zu erlangen, nämlich indem man von Gott ausgeht, von der Ehrfurcht vor ihm:

Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit, und die Erkenntnis des Heiligen ist Einsicht. (Spr 9,10)

Wer seinen Turm auf dieses Fundament stellt und ihn konsequent nach diesem Leitsatz baut, der entgeht den kuriosen Auswüchsen von “am Anfang war der Verstand”.

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