Christlicher Minimalismus(3): was er nicht ist: Selbst-Kasteiung

Nach der positiven Definition von “Christlichem Minimalismus” heute zur “Negativen Definition”: Was meine ich nicht, wenn ich Christlicher Minimalismus sage?

Der Grundgedanke des Minimalismus ist, sich dem ewigen Konsum-Kreislauf zu entziehen. Dieser funktioniert so: Beim Kauf von Neuem wird kurz Glück ausgeschüttet, das aber nicht lange anhält. Um das Glücksgefühl wieder zurückzuholen, kauft man sich das Nächste. Es ist dieses Hamsterrad, das auch die Wirtschaft antreibt.

Jemand hat uns mal gesagt: »würden alle so handeln wie ihr und einfach nichts mehr kaufen, dann würde die Wirtschaft zusammenfallen!« Vermutlich, es gibt von Wirschafts-Experten Hinweise, dass sich die Wirtschaft in einem Ponzi-Schema befindet. Doch da ich davon zu wenig verstehe, lasse ich das mal so stehen.

Zurück zum Thema: Wenn ich mich nun diesem Hamsterrad entziehe, woher hole ich mir das Glück? Denn die Sehnsucht des Glücks lässt sich nicht abstellen. Wer das trotzdem versucht und sich statt des Konsums einfach nichts mehr gönnt, dem ergeht es so:

Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er wasserlose Gegenden und sucht Ruhe. Und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will zurückkehren in mein Haus, aus dem ich weggegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es gesäubert und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen dort, und es wird der letzte Zustand dieses Menschen schlimmer als der erste (Luk 11,24-26)

Ich deute die Stelle so: Wirft man etwas Schlechtes aus dem Leben raus, dann muss man es mit etwas anderem, besseren füllen. Denn falls man dies unterlässt, dann stellt sich unweigerlich Reue ein: »Vorher war es besser!«. Und vermutlich gibt man sich das nicht zu und es kommt Eifersucht auf den Nachbarn auf, weil er das hat, dem man gerade den Rücken gekehrt hat. Und vermutlich gibt man auch diese Eifersucht nicht zu, sondern was passiert ist, dass man über den Nachbarn lästert und sich besser fühlt als er.

Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seist, der du richtest! Denn worin du den anderen richtest, verurteilst du dich selbst; denn du, der du richtest, verübst ja dasselbe! (Röm 2,1)

Wenn jemand über seinen Nachbarn herzieht, der mehr hat und jetzt zu den “Bonzen” gehört, der spricht sein Urteil sich selber, denn er gibt damit zu, dass er eigentlich dasselbe will.

Darum ist es absolut wichtig, dass das Herz nicht mehr am Besitz hängt, sondern an etwas anderem! Nur an was?

Im Buch “Zero Waste Home” beschreibt Bea Johnson, dass sie stattdessen mehr auf Beziehungen setzt. Dass sie den Kindern zu Weihnachten keine Spielsachen schenkt, sondern “gemeinsame Zeit”, einen Ausflug zum Beispiel.

Das ist sicher nicht schlecht. Ich denke aber, das genügt nicht. Zumindest war das bei uns nicht der Grund, wieso wir mit Minimalismus angefangen haben. Unsere Hoffnung war, dass wenn wir weniger besitzen, Gott mehr Platz hat in unserem Leben. Dass wenn der böse Geist zurückkommt, dass er nicht nur das leere, entrümpelte Haus vorfindet, sondern uns, die wir in näherer Beziehung zu Gott stehen.

Unsere Hoffnung war diese:

Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu wart, wer wird euch das Wahre anvertrauen? (Lk 16,10-11)

Ich verstehe die Stelle so: Wenn wir mit unserem Geld nicht uns selbst dienen, wenn wir aus dem “ich gönne mir, was ich will”-Zyklus aussteige, dann vertraut uns Gott etwas Grösseres und Herrlicheres an. Ja, es gibt bessere Dinge als Reichtum und Besitz! Doch wir können das Herrlichere erst dann haben, wenn wir dem Besitz abgesagt haben, denn man kann nicht gleichzeitig Gott und dem Mammon dienen. Mit dieser Hoffnung haben wir unsere Minimalismus-Reise begonnen, und wir erfahren von dieser grösseren Herrlichkeit. Das war nicht von Anfang an so, doch mit der Zeit merkten wir, dass in unseren Herzen mehr Platz war, die versuchten wir stets mit Nähe zu Gott auszufüllen. Ich kann zwar noch nicht recht artikulieren, was es ist, was Gott uns neu anvertraut hat, aber es ist ohne Zweifel herrlicher als der Besitz, den wir weggegeben haben. Und glaubt mir, wir wollen niemals zurück!

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