#Blogging

Folge 14 von “Lesenswichtig”, einer Liste von christlichen Artikeln, die mich diese Woche bewegt haben.

Heute mit zwei Podcastfolgen. Ich wollte die heutige Folge schon “Losenswichtig” nennen, frei nach dem schweizerdeutschen Wort “lose” für hören - aber ich spare mir das für ein anderes Mal auf.

Gelten die alttestamentlichen Verheissungen des Wohlstands für Gottes Volk noch heute?

Randy Alcorn fragt sich, wieso im alten Testament Wohlstand ein Zeichen von Gottes Segen war und im Neuen Testament davor gewarnt wird. Ein paar Auszüge:

Jesus, der nicht einmal einen Ort hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, und der nichts besass als ein Gewand und Sandalen (Matthäus 8,20), lebte eindeutig kein Leben, das auf Geld und Besitz ausgerichtet war. Sicherlich ist das auch nicht das, was Er für uns will.
Wie können wir also den scheinbaren Widerspruch zwischen den Worten und dem Lebensstil von Jesus und den Aposteln und den alttestamentlichen Wohlstandspassagen erklären?

Sind materieller Reichtum, Leistung, Ruhm, Sieg oder Erfolg zuverlässige Indikatoren für Gottes Belohnung oder Zustimmung? Wenn ja, dann ist Er ein böser Gott, denn die Geschichte ist voll von erfolgreichen Wahnsinnigen und wohlhabenden Despoten. War Gott auf der Seite von Hitler, Stalin, Mao und anderen wohlhabenden Schlächtern der Geschichte während ihres Aufstiegs zur Macht und auf dem Höhepunkt ihrer Regime, als sie von materiellem Reichtum umgeben waren? Ist Gott auch auf der Seite von reichen Sektierern, unehrlichen Geschäftsleuten und unmoralischen Entertainern? Wenn Reichtum ein verlässliches Zeichen für Gottes Zustimmung ist und Mangel an Reichtum seine Missbilligung zeigt, dann standen Jesus und Paulus auf Gottes schwarzer Liste, und Drogendealer und Veruntreuer sind sein Augapfel.

Warum diese Ungleichheit? Weil Gott entschlossen war, dass die Heiligen des Neuen Testaments verstehen sollten, dass ihre Heimat in einer anderen Welt ist. Kein Buch demonstriert besser die Beziehung zwischen Altem und Neuem Testament und die beiden Welten, auf die sie sich beziehen, als das Buch Hebräer. Vom Neuen Bund wird gesagt, dass er “auf bessere Verheissungen gegründet” ist als der Alte (Hebräer 8,6). Das Alte Testament ist Kopie, Modell und Schatten. Dementsprechend sollen die materiellen Segnungen, die den alttestamentlichen Heiligen versprochen wurden, uns an unsere zukünftigen himmlischen Segnungen erinnern - aber sie sollen sie niemals ersetzen. Der neue Bund bringt nicht das zeitliche Erbe, das Israel versprochen wurde, sondern ein ewiges Erbe (Hebräer 9,15).
Wir opfern keine Tiere mehr, denn das Lamm Gottes ist gekommen. Wir beten nicht mehr in einem Tempel an, weil wir selbst Tempel von Gottes Heiligem Geist sind. Wir gehen nicht mehr zu einem Priester, denn Christus ist unser Hohepriester, und wir selbst sind eine gläubige Priesterschaft. Wir schauen nicht mehr auf materiellen Reichtum, denn der geistliche Reichtum ist unser in Christus.

Der Effekt der Wohlstandstheologie ist es, den “Himmel auf Erden” zu fördern. Aber vor der Wiederkunft Christi kann es keinen Himmel auf Erden geben. Wenn die Erde zu unserem Himmel wird - wenn wir Gottes Segen als etwas Unmittelbares und Zeitliches sehen - verlieren wir aus den Augen, wer wir sind, warum wir hier sind und was uns jenseits des Horizonts dieser Welt erwartet.

Zum Artikel: Do the Old Testament Promises of Prosperity Apply to God’s People Today?

Wie kann ich so produktiv sein wie Russell Moore?

Russell Moore beantwortet folgende Frage eines Lesers:

Ich bin immer wieder erstaunt, wie produktiv du zu sein scheinst. Ich sehe die Ergebnisse deiner Arbeit in Form von Podcasts, Artikeln, Reviews, etc. Aber ich bin neugierig auf die Inputs. Wie schaffst du es, dich mit dem kulturellen Geschehen zu befassen und dabei für dich selbst zu sorgen, spirituell, physisch und emotional, mit deiner Familie präsent zu sein und das alles mit Freude zu tun, ohne auszubrennen?

Russells schickte Folgendes Voraus:

Die Arbeit, die ich in Bezug auf das Schreiben tue, ist die Art und Weise, wie ich das verarbeite, was ich denke oder fühle, und du wirst vielleicht sogar bemerken, dass … alle Bücher, die ich geschrieben habe, alle aus irgendeinem Thema in meinem Leben entstanden sind.

Er beantwortete nicht die Frage “wie schaffe ich es, produktiv zu sein”, sondern: “was hält mich ab, produktiv zu sein”. Seine Antworten sind sehr persönlich, doch in vielem sehe ich mich selbst und fühlte mich angesprochen. Seine Antworten gebe ich hier nur paraphrasiert wieder für die Details bitte seine Podcast-Folge hören.

Also: Was hält Russell Moore ab, produktiv zu sein?

  1. Warten auf Inspiration: Auf Inspiration warten funktioniert nicht. Deadlines sind aber gut (für Russell ist das sein Montag-Morgen-Newsletter). Die Inspiration kommt normalerweise erst, nachdem du angefangen hast zu schreiben.
  2. Perfektionismus: Was ihn davon abhält, überhaupt mit Schreiben anzufangen: Das Warten, bis das Konzept im Kopf ausgereift ist. Bis das Thema durchleuchtet ist. Seth Godin erklärt das gut: Das Wesen des Perfektionismus ist “sich zu verstecken”. «Perfektionismus ist kein hoher Anspruch. Was es ist, ist, dass es im Voraus jede mögliche Kritik an etwas beantworten muss. Und was [Seth Godin] sagt, ist, dass das unmöglich ist, aus vielen Gründen». Das Tolle am Schreiben findet in der Interaktion statt. Du verschickst das Werk und interagierst dann mit den Menschen, für die du es geschaffen hast.
  3. Adrenalin: Sorgen, Ängste oder Stress können dich vom Kreativen, Intellektuellen oder Fantasievollen in das limbische System treiben. In dieser Situation kann es sein, dass du dir zu viel Druck auferlegst. Du musst in einer Art spielerischen Geisteshaltung sein. Und das kann nur geschehen, wenn du nicht unter Druck stehst.
  4. Unterbrechungen. Wenn du in einem Gedankenfluss bist und du Unterbrechungen hast, passieren zwei Dinge: Deine Fähigkeit, etwas zu erledigen, wird unterbrochen, und du wirst genervt.
  5. Isolationen: Du weisst oft nicht, was du über etwas fühlst oder denkst, bis du es sagst. Gespräche beflügeln die Kreativität. Russell erzählt von einer Zusammenkunft, aus der er mit Ideen herauskam, die Stoff für ein Monatsprojekt waren, einfach wegen der Dinge, über die er in Gesprächen angeregt wurde.
  6. Angeberei: Auf Englisch gibt es das “Impostor Syndrome”, auf Deutsch gibt es keine gute Übersetzung dafür. Fast jeder, den Russell gekannt hat, der kein Impostor war, hatte ein Imposter Syndrome. Er hat einige Leute gekannt, die immer das Gefühl hatten, dass sie mehr als kompetent für alles waren, was sie taten. Das waren die Leute, die tatsächlich Impostors waren. Er erzählt dann eine [Geschichte über Neil Gaimans Impostorsyndrom] (https://journal.neilgaiman.com/2017/05/the-neil-story-with-additional-footnote.html).
  7. Überlastung: Die Produktivität neigt dazu zu leiden, wenn du zu viele Verpflichtungen hast, die nicht im primären Bereich deiner Begabung liegen. Der Input, den du in deinem Leben durch Artikel, Podcasts, etc. hast, wird nur dann produktiv, wenn du Zeit hast, ihn zu verarbeiten und zu verdauen. Ich muss in unstrukturierter Zeit arbeiten, z.B. spazieren gehen, trainieren, etc. Für Russell sind es Zeiten im Auto, die ihn zum Nachdenken anregen.

Zum Artikel: Question & Ethics: How am I so productive?

Wie sollten wir auf christliche Verschwörungstheorien reagieren?

John Piper beantwortet folgende Frage einer Leserin:

Ich habe einen Freund, der überzeugt ist, dass die neuen COVID-19-Impfstoffe “das Zeichen des Tieres” sind. Jeder, der geimpft wird, wird dem Satan übergeben und ist damit für immer verloren, nach der Offenbarung. Dies überzeugt mich überhaupt nicht. Aber wie würden Sie auf Christen reagieren, die zu dieser Art von geistlichen Verschwörungstheorien ergeben sind?

Ein paar Auszüge aus Pipers Antwort:

Was ich im Laufe der Jahre gesehen habe, ist, dass es eine bestimmte Art von Persönlichkeit - wir könnten auch es eine bestimmte Art von geistlichem Zustand nennen - die unfähig zu sein scheint, sich zutiefst auf die grossen, zentralen, herrlichen Realitäten des christlichen Glaubens einzulassen. … Sie stehen immer am Seitenrand.

Nun, ich würde sagen, das ist eine geistliche Krankheit, und unsere Reaktion darauf sollte meiner Meinung nach darin bestehen, dass wir persönlich, in der Beziehung und im Gebet ständig unser Bestes tun, um die Aufmerksamkeit dieser Person auf die grossen zentralen Realitäten des christlichen Glaubens zu lenken, die das Herzstück dessen sind, was Gott in Jesus Christus tut.

Hier ist also ein Bild, das es vielleicht erfasst. Die richtige Ordnung unserer Gedanken über die Realität kommt von einer richtigen Sichtweise, einer richtigen Wertschätzung von Gott und Christus und der Erlösung im Zentrum all unserer anderen Gedanken. Das Bild ist wie ein Sonnensystem. Die Sonne steht im Zentrum des Sonnensystems, und wenn die Sonne im Mittelpunkt steht, kreisen die Planeten alle sicher und schön an ihrem richtigen Platz. Das ist ein Bild von Gott im Zentrum, und alle unsere Gedanken nehmen ihren rechtmässigen Platz ein.

Aber was passiert, wenn die Sonne verschoben wird und der Planet Mars das Zentrum wird? Was passiert, ist, dass, wenn Sie versuchen, die Bahnen der Planeten zu zeichnen, wenn Sie versuchen, die anderen Realitäten in Ihrem Leben zu verstehen, wenn Gott durch Mars als Zentrum ersetzt wurde, die Dinge erschreckend chaotisch aussehen; sie sind nicht mehr in Ordnung, und sicherlich wird Merkur in und die Erde kollidieren. So ist es. Sehen Sie sich nur diese Umlaufbahn an.

Denn von ihrem Standpunkt aus, mit dem Mars an der Stelle der Sonne, ist es. “Sehen Sie nur: Da ist es. Ich habe es auf Papier gezeichnet. Es wird geschehen.”
Unser ganzes Bemühen, so scheint mir, muss darin bestehen, durch Gebet und Lehre zu versuchen, ein gottzentriertes Universum des Denkens in ihrem Geist und ein gottzentriertes Sonnensystem wohlgeordneter Zuneigung zu Gott und seinen zentralen biblischen Realitäten wiederzuerwecken.

Zum Artikel: How Should We Respond to Christian Conspiracy Theories?

Über Vielschreiber

Aus Stephen King: On Writing

Es gibt Autoren wie Anthony Trollope. Er schrieb riesige Romane, und er brachte sie mit erstaunlicher Regelmäßigkeit heraus. Tagsüber arbeitete er als Angestellter bei der britischen Post (die roten öffentlichen Briefkästen in ganz Großbritannien waren Anthony Trollope’s Erfindung); er schrieb jeden Morgen zweieinhalb Stunden, bevor er zur Arbeit ging. Dieser Zeitplan hielt er eisern ein. Wenn er nach den zweieinhalb Stunden mitten im Satz war, ließ er diesen Satz bis zum nächsten Morgen unvollendet. Und wenn er zufällig eines seiner sechshundertseitigen Schwergewichte beendete und noch fünfzehn Minuten zur Verfügung hatte, schrieb er “Das Ende”, legte das Manuskript beiseite und begann mit der Arbeit am nächsten Buch.

Über Schreibblockaden

Aus Seth Godin: This is Marketing

Gewohnheiten eignet man sich an, indem man etwas jeden Tag tut. Erst dann bekommt man Lust, es zu tun. […]
Ich bin berüchtigt dafür, dass ich sage, dass es so etwas wie eine Schreibblockade gar nicht gibt. Es gibt jede Menge Beweise dafür, dass das Wort um 1900 erfunden wurde. Davor gab es nicht einmal einen Begriff dafür. Das Wort entstand, weil Percy Shelley einen kurzen Aufsatz schrieb, in dem er sagte: “Wie kann es jemand wagen zu denken, er könne ein Dichter sein? Der einzige Weg, wie man ein Dichter werden kann, ist, von der Muse berührt zu werden.” […]
Und das wurde von Leuten aufgegriffen, die sich wohl fühlten, eine Schreibblockade zu haben, aber dann wurde es zu einem Begriff, weil man durch das Schreiben plötzlich Ernest Hemingway sein konnte, und man starrt in den Sonnenschein und blinzelt, man geht weg und denkt: “Ich bin einfach nicht in der Stimmung, ich habe nichts zu sagen.”
Aber: Wenn ich mit Leuten rede, die behaupten, sie hätten nichts zu sagen, sie hätten eine Schreibblockade, dann sage ich: Zeig mir deine schlechten Texte. Zeig mir das, was du geschrieben hast, das nicht gut ist. Sie haben nichts!

Besser regelmässig mittelmässig als selten perfekt

Dieses Zitat ist über die Fotografie, lässt sich aber eins zu eins aufs Schreiben übertragen.

Aus “James Clear, Atomic Habits

Am ersten Unterrichtstag teilte Jerry Uelsmann, Professor an der Universität von Florida, seine Studenten der Filmfotografie in zwei Gruppen ein.
Alle auf der linken Seite des Klassenzimmers, so erklärte er, wären in der “Quantitäts”-Gruppe. Sie würden ausschließlich nach der Menge der produzierten Arbeit benotet. Am letzten Tag des Kurses zählte allein die Anzahl der eingereichten Fotos: Hundert Fotos würden mit A bewertet, neunzig Fotos mit B, achtzig Fotos mit C und so weiter.
Alle auf der rechten Seite des Raums gehörten zur “Qualitäts”-Gruppe. Sie würden nur nach der Qualität ihrer Arbeit bewertet werden. Sie mussten nur ein einziges Foto während des Semesters produzieren, aber um eine A zu bekommen, musste es ein nahezu perfektes Bild sein.
Am Ende des Semesters stellte er zu seiner Überraschung fest, dass die besten Fotos alle von der “Quantitäts”-Gruppe produziert wurden. Während des Semesters waren diese Studenten damit beschäftigt, Fotos zu machen, mit Komposition und Beleuchtung zu experimentieren, verschiedene Methoden in der Dunkelkammer auszuprobieren und aus ihren Fehlern zu lernen. Indem sie Hunderte von Fotos machten, verfeinerten sie ihre Fähigkeiten. Währenddessen saß die Qualitätsgruppe herum und spekulierte über Perfektion. Am Ende hatten sie außer unbewiesenen Theorien und einem mittelmäßigen Foto wenig vorzuweisen.

Seth Godin bloggt seit achtzehn Jahren. Jeden Tag. Als er gefragt wird, was ihn dazu motiviert, sagt er:

Ich blogge nicht jeden Tag, weil ich ein neuer Beitrag parat ist.
Ich blogge jeden Tag, weil es ein Morgen gibt.
Die Idee, dass es ein Morgen gibt, die Vorstellung, dass ich morgen einen Beitrag schreiben werde, fordert mich auf, darüber nachzudenken: Was ist der schlaueste, grösste, grosszügigste Beitrag, den ich der Welt morgen schenken kann?

Das ist meine derzeit beste Erklärung, was tägliches Bloggen für einen Gewinn ausschüttet. Weil die Investitionen sind gross: Der täglicher Zeit-Aufwand, die Unsicherheit, ob der Beitrag gelesen wird, das Sich-Verletzlich-Machen.

Doch es lohnt sich doch! Denn beim Bloggen wird mein Denken ganz neu anregt. Ich spinne angefangene Gedanken weiter, wenn ich weiss, dass ich darüber schreiben werde. Es lässt sich mit Lernen und Lehren vergleichen: Wenn ich etwas gelernt habe, dann hilft es, wenn ich es anderen erkläre. Und oft merke ich erst, wenn ich etwas anderen weitergeben will, dass ich es selbst noch nicht verstanden habe.

Der Segen und Fluch der Unpopularität

Nun zu einem potenziellen Motivations-Killer: Die Popularität der Beiträge. Respektive deren Unpopularität. Vor ein paar Jahren, als ich auf diesem Blog schrieb, habe ich mir jedes Mal die Statistiken angeschaut (Google Analytics): wie viel Leute haben den Beitrag angeklickt, wie lange verweilten sie auf der Seite, etc. Das Problem: Die Zahlen waren so demotivierend, dass ich nach einer gewissen Zeit wieder aufgehört habe zu schreiben.

Als ich im Dezember einen neuen Anlauf nahm, sagte ich mir: »Es ist mir egal, wie viele das lesen. Ich schreibe einfach weiter. Es ist mir egal, wie viele Likes ich auf Facebook oder Twitter bekomme, und es ist mir auch egal, wenn andere Blogger mehr davon bekommen. Ich schreibe einfach weiter.«

Das Elend der digitalen, vernetzten globalen Welt ist, dass man sich immer vergleichen kann, ja gezwungenermassen verglichen wird. Meine Frau fragte mich, ob man denn nicht auf Facebook die Likes abschalten könne. Nein, sagte ich, auf Social Media wird jeder mit jedem verglichen, ob er es will oder nicht. Und ich merke: Gebe ich mich diesem Wettkampf hin, dann lässt die Motivation nach.

Der Rat von Seth Godin:

[Dieses Streben nach Popularität] baut keine Kultur, auf die wir stolz sein würden.
Die Alternative ist zu sagen: Es ist mir egal, wie viele
Leute mir folgen. Meine Aufgabe ist es, etwas zu erschaffen, worauf ich stolz bin.

Die Versuchung beim Bloggen ist das zu schreiben, was populär ist, aber damit würde ich meinem Auftrag untreu. Die Alternative ist, nicht für die grosse Masse zu schreiben, sondern für ein paar wenige.

Seth Godin rät, sich eine Nische zu suchen, ein Thema, das nur eine ganz kleine Zielgruppe betrifft, und dann das Thema nochmals zweimal enger zu machen, bis die Zielgruppe auf zwei bis drei Leute zusammenschrumpft. Natürlich übertreibt er dabei, aber was er meint, ist, dass wir uns mit der Idee anfreunden müssen vom “kleinsten möglichen Publikum”. Das ist etwas gruselig, weil wenn du Millionen Leute hast, die dein Blog lesen und einer davon sagt, er möge deine Beiträge nicht, dann ist es dir egal. Aber wenn einer von deinen drei Lesern dasselbe sagt, dann kümmert es dich. Und genau dann fange die “Magie” an, meint Seth Godin.

Ja, und so ist es nun bei meinem Blog: Ich weiss von einer Handvoll Leute, die ihn mittlerweile lesen. Und ihr seid mir wichtig. Und dass macht die Magie beim Schreiben aus. Weil ihr seid keine blossen Zahlen in der Statistik, aber Leute, die mir auf der Strasse sagen, dass sie den Beitrag gelesen haben oder die mir auch mal eine Frage oder Feedback zurückschreiben, das zählt. Und so kann es auch eine ehrliche Auseinandersetzung geben, und das ist viel motivierender als tolle Statistiken.

Ich wünschte mir, es gäbe mehr christliche Blogs.
Ich wünschte mir, jeder Christ, der zu Hause eine Tastatur hat, würde anfangen zu bloggen.
Vielleicht hat es dich auch schon gejuckt.
Lass dich mit diesem Beitrag zum Bloggen ermutigen.

Mit der Annahme, dass du dazu Lust, dich aber etwas davon abhält, lass mich das Thema von der anderen Seite angehen:

Warum solltest du nicht bloggen?

Grund 1: Ich habe nichts zu sagen

Das war für mich immer Grund Nummer eins: Was in aller Welt würde ich überhaupt schreiben? Mein Blog wäre nach dem dritten Beitrag fertig. Ein sehr kurzer Blog.

Meine Überzeugung: Wandelst du mit Gott, dann wirkt Gott in deinem Leben. Dabei wird er nicht nur dein Leben umgestalten, sondern will auch, dass du ein Licht wirst für andere. Stell dein Licht nicht unter den Scheffel (Anm: Das sollte in Neudeutsch besser Topf heissen).

Bevor ich vor einem Monat angefangen habe, täglich zu bloggen, habe ich mir eine Liste gemacht von möglichen Blog-Beiträgen. Die war anfangs kurz, aber nach ein paar Tagen wurde die Liste länger, bis ich irgendwann bei mehr als dreissig Artikeln war. »Das reicht für einen Monat«, dachte ich, »lass mich mal anfangen. Vermutlich wächst durchs Schreiben die Liste noch weiter an«. Und so war es. Nach einem Monat habe ich immer noch eine Liste von etwa dreissig Beiträgen, die ich noch gerne schreiben würde.

Grund 2: Niemand wird meinen Blog lesen

Die lähmende Angst sagt: »Was wenn du schreibst und schreibst und niemand liest es?«

Dieser Grund lässt sich nicht kleinreden: Bloggen ist ein “leap of faith”, es ist wie bei Indiana Jones ein Schritt ins Leere.

Mein Rat: mache dir nicht zu viele Gedanken darüber. Der Spass kommt vor allem aus dem Schreiben. Bei mir stellt sich die Erfüllung ein, wenn meine Gedanken in einem Beitrag Form angenommen haben. Wenn die Idee nach dem Schreiben klarer ist als zuvor. Wenn der Beitrag dann auch noch gelesen wird, dann ist dies die Sahne auf der Torte. Aber die Torte selbst ist das Schreiben.

Das ist absolut essenziell. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass auch ein ungelesener Blog ein Erfolg ist. Sobald du dich auf die Reaktionen konzentrierst, verliert sich der Spass.

Grund 3: Ich kann nicht schreiben

In meinen Schulaufsätzen hatte ich nie guten Noten. Ich habe erst letzthin mein Aufsatzheft vom Gymnasium durchgeblättert und kam zum Schluss: Meine Deutsch-Lehrer setzten keine Hoffnungen in meine Schreibkünste.

Doch das war auch nicht weiter verwunderlich. Denn nur durch Übung wird man besser. Als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen, hätte mir auch niemand gesagt, dass mein Gitarrenspiel eines Tages in Ordnung sein wird. Erst durch tägliches Üben konnte ich überhaupt beurteilen, ob Gitarre ein Ding ist, das ich kann, und ob mir das Spielen Spass macht. Es führt einfach kein Weg daran vorbei, es auszuprobieren.

Kann sein, dass nicht jeder das Talent zum Schreiben hat, doch mein Rat: probiere es aus.

Grund 4: Ich habe keine Zeit

Ich arbeite zu 90%. Ich habe eine Familie mit zwei Kindern. Da ist Zeit knapp. Für einen Blog-Beitrag brauche ich dreissig bis sechzig Minuten. Dreissig Minuten schreiben pro Tag bedeutet ein Beitrag alle zwei Tage. Ich habe mir am Morgen eine halbe Stunde eingeplant (meistens wird es aber länger). Das reicht. Was ich in den dreissig Tagen Bloggen gelernt habe, ist dass es auf die Regelmässigkeit drauf an kommt. Es braucht keine mehrere Stunden am Stück schreiben.

Doch ganz am Anfang braucht es etwas mehr Zeit. Am Besten beginnst du in einem Moment, wo du pro Tag eine Stunde aufwenden kannst, über die Zeit lässt sich der Zeitaufwand dann auf eine halbe Stunde täglich reduzieren.

Grund 5: Ich weiss nicht wie

Eine Blog-Plattform zu finden war bei mir als Informatiker nie das Problem. Bei mir war es eher so, dass ich mit der technischen Lösung angefangen habe und mich verloren habe im Konfigurieren und Designen, bis ich irgendwann Angst bekommen habe, den ersten Beitrag zu schreiben.

Aber für Nicht-Informatiker: Bloggen ist sehr einfach geworden. Jeder, der tippen kann, kann Blog-Beiträge schreiben.

Mein Rat: Nehme irgendein Tool. Wordpress ist gut. Typepad auch. Oder Medium. Und dann fange an zu schreiben. Wenn du nach einem Monat noch am Schreiben bist, kannst du dich immer noch ums Design kümmern.

Vor einem Monat trieben mich zwei Gedanken um:

  1. Ich hatte Etwas zu sagen. Etwas, von dem ich wollte, dass meine Mitmenschen es hören würden. Doch es boten sich nicht genügend Gelegenheiten, das Gelernte zu weiterzusagen.
  2. Von verschiedenen Bloggern habe ich gehört, wie wertvoll für sie tägliches Bloggen geworden ist. Dies konnte ich nicht nachvollziehen, ich wollte wissen: was passiert, wenn ich dreissig Tage lang jeden Tag einen Blog-Beitrag schreiben würde?

Die Idee schien verrückt: Weder wusste ich, woher ich die Zeit dazu hernehmen würde, noch, ob ich genügend Gedanken hatte, um dreissig Tage am Stück Beiträge zu verfassen.

Auf der anderen Seite hatte ich diesen Blog, er lag zwar seit gut zwei Jahren brach, doch konnte ich ihn ohne grossen Aufwand wiederbeleben. Und dann war Weihnachtszeit, und Pandemie-Bedingt war unser festtägliches Besuchs-Volumen auf einen einzigen Besuch geschrumpft und ich hatte unverhofft sehr viel Zeit.

Ich stöberte bei ein paar jeden-Tag-Bloggern. Hanniel schreibt, warum er seit neun Jahren täglich bloggt. Oder Tim Challies schreibt, wie er seinen Blog vor sieben Jahren anfing.

Also legte ich los. Ich setzte mir zum Ziel, dreissig Tage am Stück durchzuhalten. Die Weihnachtszeit hindurch war es noch relativ einfach. Ich setzte mich jeden Morgen hin, schrieb gut eine Stunde und publizierte den Artikel. Dann, ab dem vierten Januar wurde es schwerer, da meine Arbeit wieder begann. Ich versuchte, mein tägliches Schreiben auf 30 Minuten zu reduzieren, dies schien mir das Minimum von Zeit zu sein, um auf einen anständigen Artikel zu kommen. Und siehe da, vor ein paar Tagen, am 23. Januar habe ich die dreissig-Tage-Marke geschafft.

Zu meiner Freude hat meine Frau nach ein paar Tagen auch Lust bekommen zu schreiben. “He”, sagte sie, “das sind auch meine Themen!” und verfasste während dem vergangenen Monat zehn Beiträge.

Wie lange ich noch täglich weiter blogge, weiss ich nicht. Eine halbe Stunde pro Tag ist knapp. Manche Artikel sind zäher, und nach 30 Minuten ist noch nichts publizierbares geschrieben. Auf der anderen Seite machen mir emotionale Tiefs manchmal zu schaffen. Wenn ich am Morgen aufstehe und zu nichts Lust habe, dann fällt es mir nicht leicht, mich zum Schreiben aufzuraffen.

Aber: das tägliche Bloggen hat etwas ausgelöst. Sowohl bei mir, in der Familie, wie auch in Gesprächen mit Leuten, die den Blog gelesen habe. Darum werde ich sicher noch eine gewisse Zeit damit fortfahren.

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