Lesenswichtig 13. September

Folge 18 von “Lesenswichtig”, einer Liste von christlichen Artikeln, die mich diese Woche bewegt haben.

Diesmal eine Ausgabe mit nur deutschsprachigen Artikeln. Genau genommen nur von Sergej Pauli und Hanniel Strebel. Immer wieder begeistert mich die Art, wie sie Christentum mit dem alltäglichen, normalen Leben verschmelzen. Sergej schafft das, indem er unverblümt aus seinem Leben erzählt. Hanniel durch seine Fähigkeit, unsere säkulare Welt der christlichen gegenüberzustellen.

Genauso verstehe ich den Aufruf, dass wir das Salz der Erde sein sollen: Niemand nimmt pures Salz in den Mund. Die gewünschte Wirkung hat es erst, wenn es mit anderem vermischt wird - nämlich wenn Christus im alltäglichen Leben zum Vorschein kommt.

Ja, aber…

Sergej Pauli beklagt, dass Christen - besonders Prediger - Bibelstellen oft gut gemeint “abfedern” und so deren die Sprengkraft vermindern:

Ich hege schon länger den Verdacht, dass dieses ausgeglichene, angeblich alle Perspektiven berücksichtigendes Sprechen eher etwas ist, dass den englischen Ausdruck “futile” verdient. Kurz: Es ist vergeblich.

Falsche Komplementarität garniert mit rhetorischen Spitzfindigkeiten hat, – um es mal ganz frank und frei zu sagen- , mehr Ähnlichkeit mit Nihilismus als mit Gottesfurcht.

Und dann führt er einige Beispiele auf: Über die Lehre zur Souveränität Gottes:

Wenn man mir auf eine biblische Ausarbeitung zur Vorherbestimmung oder Vorsehung einwendet, dass dies “unseren Missionseifer” unterbinde, dann ist das doch die falsche Reaktion. Die Frage sollte doch dann sein: Was gibt uns mehr Missionseifer? Und die Antwort “weniger über die Souveränität Gottes zu reden”, kann dabei nur als höchst ungenügend gelten.

Oder über den Besitz:

Da ist der Prediger, der die Kanzel besteigt und darüber redet, dass jeder Christ entscheiden muss, ob er Gott oder dem Mammon dienen will. Doch statt auf die tödlichen Gefahren des Geizes und der Gier, die die Wurzel allen Übels ist, einzugehen, begnügt er sich mit Verweisen, dass die Bibel sehr wohl auch reiche Gläubige kenne, ob nun Abraham oder Salomo.
Man zeige mir auch nur einen Zuhörer, dem diese Plattitüden nützen sollen?

Er schliesst damit ab, dass auch ihm oft schwerfällt, das Wort Gottes einfach so stehen zu lassen. Persönlich und bewegend.

Zum Artikel: Ja, aber…

Bedeutet es, dass ich gestresst hetzen muss, um “die Zeit auszukaufen”?

Nochmals ein Artikel von Sergej Pauli. Es geht um das “optimieren” unserer Zeit. Hier habe ich mich extrem wiedererkannt. Vermutlich kommt es auch daher, dass unsere auf Konkurrenz basierende Marktwirtschaft den Vers “kauft die Zeit aus” genau so interpretiert, dass wir entweder alles effizienter oder effektiver machen sollen. Ein paar Auszüge:

Praktisch bedeutet dies natürlich, dass man die Aufgaben nach Relevanz/Bedeutung sortiert und “Kinder hüten” oder “Leibliche Ertüchtigung” findet sich in dieser Hierarchie nur ganz weit unten – sind es ja schließlich nicht “geistliche Werke des Reiches Gottes” – eher nötige, unvermeidbare Pflichten, die von dem wesentlichen “Dienst für Gott”, wie z.B. dem Bloggen, oder in meinem Fall vornehmlich “wichtige Bücher lesen” abhalten. Entsprechend gilt es, diese Zeit als so gering wie möglich zu halten – schließlich muss ich “die Zeit auskaufen”, wenn ich geistlich sein möchte.

Dass ich bereits tief in eine “leistungsorientierten selbstgerechten Effizienzfalle” gefallen war, ist mir nur sehr langsam und zähflüssig aufgegangen.

Eines Abends, nachdem ich besonders “effizient” war, dachte ich, dass ich mir auch “einmal etwas Freizeit” verdient hätte. So schaltete ich einen älteren Krimi an, aber bereits nach zehn Minuten habe ich weggeschaltet, weil mir das “nicht effizient” vor kam und ich “ja etwas Nützlicheres tun könnte”. Ich tat auch “was Nützlicheres”, aber mit einem wirklich unerträglichen Zorn und Hadern. Ich ärgerte mich ungemein über Gott, der mich nur ständig mit Forderungen und Leistungsansprüchen überhäuft. Um im biblischen Vokabular zu bleiben: “So viele Jahre habe ich dir gedient, und du hast mir nie einen Bock gegeben”.

Ein paar weitere Beispiele weiter resümiert Sergej:

Wirklich, das ist hier in wenigen Sätzen niedergeschrieben. Aber das ist ein furchtbarer kaum zu ertragender Sterbeprozess seinen Modellen nicht zu glauben, die so komplett sinnvoll klingen, während gleichzeitig nur eine ganz stille, kaum vernehmbare Stimme etwas davon flüstert, dass man in Christus bedingungslos angenommen ist.

Zum Artikel: Bedeutet es, dass ich gestresst hetzen muss, um “die Zeit auszukaufen”?

Die Seele im Cyberspace und die Veränderung unserer Gewohnheiten

Hanniel Strebel rezensierte das Buch «The Soul in Cyberspace» von Douglas Groothuis. Im Buch wird beschrieben, was sich in unserer Seele durch die neue Technologie verändert.

Am Beispiel Radio (ja, das Buch ist von 1997, also noch vor der Popularität von Internet und Smartphone):

Wenn wir glauben, dass das Anhören einer Predigt – selbst einer sehr guten Predigt – im Radio dasselbe ist wie die Zusammenkunft in unserer örtlichen Gemeinde, um durch die Predigt des Wortes Gottes herausgefordert zu werden, dann täuschen wir uns. Und wenn wir glauben, dass eine weitverbreitete Radioarbeit die Dynamik des zwischenmenschlichen Dialogs – wie wir mit denen weinen, die weinen, und mit denen lachen, die lachen – ersetzen kann, dann sind wir ebenso betrogen. Solche Missverständnisse verdeutlichen die Gefahr des technologischen Ersatzes des Persönlichen. Ein künstliches und unpersönliches Kommunikationsmittel ersetzt die menschliche Interaktion auf eine Weise, die nicht sofort offensichtlich ist. Auf diese Weise wird die persönliche Dimension, die Gott so hoch schätzt, entwertet.

Zum Artikel: Input: Die Seele im Cyberspace und die Veränderung unserer Gewohnheiten

Eine robuste Theologie des Leids

In einer Artikelreihe: «Was ist denn, bitteschön, reformatorische Theologie?» beleuchtet Hanniel Strebel verschiedene Aspekte des Glaubens. Besonders gefallen hat mir die Gegenüberstellung unserer westlichen Schmerz-ausweichen-um-jeden-Preis-Einstellung und der biblischen Lehre des Leids:

Es geht um die Theologie des Leidens. Die Theologie des Kreuzes (theologia crucis) wurde sowohl von Luther wie von Calvin gelehrt. Wer sich mehr damit beschäftigen möchte, dem sei der Psalmenkommentar von Johannes Calvin ans Herz gelegt. Die bewusste Zuwendung zum Leid innerhalb des christlichen Lebens steht im Gegensatz zur Lehre des Säkularismus, der im Westen dominanten Sichtweise, der im Denken und Handeln von Gott entwöhnt ist. Dem Leid zu entfliehen, es zumindest auszublenden oder es zu betäuben ist das Gebot der Zeit. Dies ist verbunden mit dem Anspruch auf eine vollständige und unmittelbare Befriedigung. Im Neuen Testament werden wir eines Besseren belehrt.

Zum Artikel: Zugerüstet in der Herde Gottes

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