Sparen mit Bio. Teil 6: Halbzeit

Die erste Hälfte meines Selbstversuchs ist geschafft.

Positive Bilanz: In meinem “Rest-Kuvert” (mit der Differenz zwischen dem Versuchs-Betrag und dem normalen Betrag) befinden sich noch 368.80. So viel habe ich also in zwei Wochen gespart. Keine schlechte Belohnung für die Mühe, oder?

Negative Bilanz: Nach den mickrigen 75 Rappen, die ich in der ersten Woche überzogen habe, musste ich diese Woche schon ein bisschen tiefer ins “Rest-Kuvert” greifen. Ich überzog mein Budget um 31.20. Und merkte gleichzeitig, dass ich für die restlichen zwei Wochen mehr einberechnen muss.

Wenn man das so liest, hört es sich fast wie eine “Sätzli-Rechnung” aus der Schule an:


Frau Keller hat nach zwei Wochen sparen noch Fr. 368.80 übrig. In der ersten Woche überzog sie ihr Budget um Fr. 0.75, in der zweiten Woche um Fr. 31.20.

Frage 1: Wieviel Geld war am Anfang im “Rest-Kuvert”?
Frage 2: Wenn dieser Betrag mehr als die Hälfte ihres normalen Budgets ist, wieviel beträgt dann ihr normales Budget höchstens?


(Ok, die Rechnung geht nicht ganz auf. Ich glaube, am Anfang des Monats waren noch ein paar Rappen im Portemonnaie…)

War nur ein kleiner Witz. Aber ich glaube, am Ende des Versuchs werde ich fairerweise verraten, wieviel mein ursprüngliches Spar-Budget war und auf wieviel ich es bis Ende Monat aufstocken musste. Damit man einen Anhaltspunkt hat, mit wieviel ich denn konkret ausgekommen bin.

Zuerst ein kleiner Rückblick auf die letzte Woche:

Am Montag suchte ich krampfhaft nach einem Menü, für das ich gar nichts einkaufen müsste. Ich hatte noch Penne für eine Mahlzeit, einige wenige Kartoffeln (darunter eine Handvoll ganz kleine vom Garten, die immer liegen gelassen hatte, weil sie schlecht schälbar sind), Rahm (von der Milch abgenommen) und die letzten paar Zwiebeln vom Garten (die hatten sieben Monate gereicht). Ausserdem Käse, den ich am Morgen gekauft hatte. Ganz klar: Daraus lassen sich prima Älpler-Makronen machen! Solche Erlebnisse liebe ich, wenn man durch die Küche wandert, alle Vorräte inspiziert und sich der Herausforderung stellt, nur mit dem Vorhandenen etwas zu zaubern. Vielleicht habe ich doch einen kleinen Hang zum “arm Spielen”…

Die restlichen Menüs dieser Woche waren denn zum grössten Teil aus der gleichen Kategorie: “Einfache Schweizer Küche”: Es gab Linsen mit Speck, Rüebli-Kartoffel-Suppe und sogar Fotzelschnitten (die hatte ich schon lange nicht mehr gemacht). Im Moment gibts auch jede Woche selbstgemachten Tofu. Gratis, denn die Sojabohnen sind sozusagen ein Weihnachtsgeschenk vom Inhaber des Unverpackt-Ladens (sie sind abgelaufen, schmecken aber noch perfekt). Ausser Wasser braucht man dazu nur ein paar Esslöffel Essig und etwas Salz.

Also, wenn ich so zurückblicke, finde ich eigentlich gar nicht, dass wir so unglaublich knausern mussten. Ok, in einigen Dingen schon. Wir Erwachsenen verzichteten auf Schokolade (geht auf die Länge nicht, findet mein Mann), ich ass keinen Käse zwischendurch (hört sich fast nach Diät an…), ich achtete darauf, dass es niemand mit dem Butter auf dem Brot übertrieb. Und was Snacks betrifft, liess ich einfach einige Dinge ausgehen (wie die sündhaft teuren gerösteten piemonteser Haselnüsse und die ebenso teuren Apéro-Nüsse aus dem Unverpackt-Laden, die ich aus unerfindlichen Gründen in die Familie eingeführt habe und auf die niemand mehr verzichten will…). Dafür knackte ich eine Stunde lang Baumnüsse (teils vom Baum in unserem Garten, teils geschenkt), tat sie in ein grosses Glas und wies jeden, der zwischendurch Hunger hatte, darauf hin. Mit gemischtem Erfolg. Einiges ging vorzeitig aus. Z.B. die Haferflocken, die ebenfalls als Snack beliebt sind (als Müesli mit Milch und Zucker oder als Porridge gekocht). Und die Schokolade der Kinder. Aber hey, dafür gibt es im Moment jedes Wochenende eine Fasnachts-Spezialität aus der Friteuse. Heute sind es Berliner.

Ansonsten assen wir ganz normal, niemand musste hungern, niemand ist dünner geworden. Und niemand hat gemerkt, dass die Tomatensauce mit Tomatenpüree gestreckt war, damit ich nur ein Glas Passata kaufen musste, und dass das Päckchen Speckwürfeli für zwei Mahlzeiten hinhalten musste anstatt wie sonst für eine.

Ausblick auf die nächsten zwei Wochen:

Ich habe mich entschieden, den wöchentlichen Betrag um 50 Franken aufzustocken. Alles andere wäre unrealistisch und auf die Dauer sehr mühsam. Auch so wird die Herausforderung immer noch gross genug sein. 30 Franken habe ich ja schon diese Woche überzogen, das sind dann nur 20 Franken mehr. Mal sehen, wie das ausgeht. Könnte ja sein, dass sich jetzt so vieles angestaut hat, was ich hinausgeschoben habe und nachkaufen muss, dass auch der neue Betrag nirgendwohin reicht.

Man muss dieses Experiment schon über eine gewisse Zeitspanne machen, nach zwei Wochen lässt sich eigentlich noch nichts definitives über den Verbrauch sagen. Eigentlich ist nicht mal ein Monat genug.

Heute Nachmittag fand ich einen interessanten Artikel über Bio-Produkte in Grossverteilern - darüber werde ich dann gelegentlich etwas schreiben.

Also, ich bin bereit für die zweite Hälfte.

Übrigens: das billige Wochenend-Menü war diesmal: Leberwürste (1.70 pro 100g), Kartoffelstock (billige Stärkebeilage), Rahmsauce (Rahm von der Bauernhofmilch abgenommen) und Rosenkohl (die letzten aus dem Garten).

Wir haben danach gemerkt: Man kann sich auch beim Sparen überessen…

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